Riem Spielhaus
Georg Eckert Institute, Textbook and Society, Faculty Member
- Islamic Studies, Islamic feminism, Muslim Minorities, Islamic Contemporary Studies, Female Islamic Leadership, Muslims in Europe, and 17 moreIslam (Anthropology), Contemporary Movements and Trends in Islam, Media Studies, Islam, Islam in Europe, Mosques, Muslims in Germany, Moscheen in Deutschland, Islamic urban history, Mosques and Women, muslmische Gemeinschaften, Religion and Identity (Anthropology), Islam in Germany, Sociology of Religion, Women and Gender Issues in Islam, Islamic Education, and Stand Up Comedyedit
- Riem Spielhaus leads the department Textbook and Society at the Georg-Eckert-Institute for International Textbook Res... moreRiem Spielhaus leads the department Textbook and Society at the Georg-Eckert-Institute for International Textbook Research and chair of Islamic Studies at Georg-August-Universität Göttingen. Her dissertation “Who is a Muslim anyway? The emergence of a Muslim consciousness in Germany between ascription and self-identification” at Humboldt-Universität zu Berlin was rewarded the Augsburg Science Award for Intercultural Studies 2010.
She majored in Islamic Studies and African Studies.
Riem Spielhaus has been working as advisor for the commissioner for Migration, Refugees and Integration of the German Federal Government.
Spielhaus was a member of several working groups, which were set up by the German government, local administrations and civic organizations like the first “German Islam Conference” (2006-2009).
Riem Spielhaus is interested in the representation of Islam in European textbooks and of religion in general in textbooks of the MENA-region. She continues her interest in Muslim minority studies with a focus on production and dissemination of Islamic knowledge, identity politics of Muslims in Europe. Her main field of expertise is religious practice of Muslims and institutionalisation of Islam in Germany. Before joining the EZIRE she has been working at the Centre for European Islamic Thought at University of Copenhagen, Denmark doing a comparison of national and multinational polls and surveys among Muslims in Western Europe since 2000.edit
Research Interests:
Research Interests:
Das von der Friedrich Ebert Stiftung in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass die rechtliche Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften in Deutschland möglich ist. Allerdings besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf auf dem... more
Das von der Friedrich Ebert Stiftung in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass die rechtliche Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften in Deutschland möglich ist. Allerdings besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf auf dem Weg zu einer Gleichberechtigung des Islams.
Zentrale Ergebnisse des Gutachtens: Die Anerkennung des Islams ist besser als ihr Ruf – aber islamische Religionsgemeinschaften sind noch längst nicht gleichgestellt.
Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Maßnahmen islamische Religionspraxis ermöglicht. Die Freiheit zur islamischen Religionsausübung ist in Deutschland derzeit allerdings nicht überall in vollem Umfang gegeben. Für eine verbesserte Anerkennung des Islams ist kein Sonderweg nötig, sondern die gleichberechtigte Integration islamischer Organisationen in das religionsverfassungsrechtliche System.
Anerkennung meint die religionsrechtliche Teilhabe, die Umsetzung von Religionsfreiheit sowie Wertschätzung und Gleichstellung. Nicht zuletzt bedeutet die rechtliche Anerkennung ein Bekenntnis zur muslimischen Bevölkerung in diesem Land. Das Religionsverfassungsrecht sieht dabei nicht die Anerkennung von Religionen sondern von deren Gemeinschaften vor. Es geht also letztlich nicht um eine Anerkennung des Islams als Religion, sondern um den Rechtsstatus einer Religionsgemeinschaft für islamische Organisationen.
Einige Bundesländer haben mit Übergangslösungen, Modellversuchen und neuen rechtlichen Regelungen in den vergangenen Jahren islamische Religionspraxis ermöglicht, die Kooperationen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften voraussetzen und die bislang Religionsgemeinschaften mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) vorbehalten waren. Dabei ging es um Bestattungsregelungen ebenso wie um islamischen Religionsunterricht, Feiertagsregelungen oder die Einrichtung von Studiengängen für islamische Theologie an Hochschulen.
An Stelle der derzeit stockenden Anerkennung als Körperschaft haben Staatsverträge sowie Partnerschaftsmodelle zwischen Staat und muslimischen Organisationen als Formen der Anerkennung an Bedeutung gewonnen“, erklärt Martin Herzog, Jurist an der Universität Erlangen und Mitautor des Gutachtens. Die rechtliche Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften ist also in Deutschland möglich. Hervorgetan haben sich dabei die Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bremen und Baden-Württemberg. Allerdings besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf auf dem Weg zu einer Gleichberechtigung des Islams: Kurzfristig bei der flächendeckenden Gewährleistung der Glaubenspraxis, beim Aufbau von Bildungs- und sozialen Angeboten sowie mit Blick auf die finanzielle Absicherung der islamischen Religionsausübung. Langfristig gilt es jedoch die gleichberechtigte Integration islamischer Organisationen in das religionsverfassungsrechtliche System zu erreichen. Übergangsregelungen und Modellprojekte können Hilfsmittel auf dem Weg sein, dürfen aber keine Provisorien auf Dauer werden. Das Gutachten schließt mit Handlungsempfehlungen, die sowohl die Pluralität islamischen Lebens als auch die Vielfalt der politischen Handlungsmöglichkeiten bedenken. Neben Politik und Verwaltung sind in diesem Prozess die islamischen Gemeinschaften selbst gefordert, den Aufbau von Strukturen und die Professionalisierung der eigenen Arbeit voranzutreiben. Das teilweise islamskeptische Meinungsklima stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, die aber nicht dazu führen darf, das Grundrecht auf Religionsfreiheit in Deutschland in Frage zu stellen.
Zentrale Ergebnisse des Gutachtens: Die Anerkennung des Islams ist besser als ihr Ruf – aber islamische Religionsgemeinschaften sind noch längst nicht gleichgestellt.
Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Maßnahmen islamische Religionspraxis ermöglicht. Die Freiheit zur islamischen Religionsausübung ist in Deutschland derzeit allerdings nicht überall in vollem Umfang gegeben. Für eine verbesserte Anerkennung des Islams ist kein Sonderweg nötig, sondern die gleichberechtigte Integration islamischer Organisationen in das religionsverfassungsrechtliche System.
Anerkennung meint die religionsrechtliche Teilhabe, die Umsetzung von Religionsfreiheit sowie Wertschätzung und Gleichstellung. Nicht zuletzt bedeutet die rechtliche Anerkennung ein Bekenntnis zur muslimischen Bevölkerung in diesem Land. Das Religionsverfassungsrecht sieht dabei nicht die Anerkennung von Religionen sondern von deren Gemeinschaften vor. Es geht also letztlich nicht um eine Anerkennung des Islams als Religion, sondern um den Rechtsstatus einer Religionsgemeinschaft für islamische Organisationen.
Einige Bundesländer haben mit Übergangslösungen, Modellversuchen und neuen rechtlichen Regelungen in den vergangenen Jahren islamische Religionspraxis ermöglicht, die Kooperationen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften voraussetzen und die bislang Religionsgemeinschaften mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) vorbehalten waren. Dabei ging es um Bestattungsregelungen ebenso wie um islamischen Religionsunterricht, Feiertagsregelungen oder die Einrichtung von Studiengängen für islamische Theologie an Hochschulen.
An Stelle der derzeit stockenden Anerkennung als Körperschaft haben Staatsverträge sowie Partnerschaftsmodelle zwischen Staat und muslimischen Organisationen als Formen der Anerkennung an Bedeutung gewonnen“, erklärt Martin Herzog, Jurist an der Universität Erlangen und Mitautor des Gutachtens. Die rechtliche Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften ist also in Deutschland möglich. Hervorgetan haben sich dabei die Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bremen und Baden-Württemberg. Allerdings besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf auf dem Weg zu einer Gleichberechtigung des Islams: Kurzfristig bei der flächendeckenden Gewährleistung der Glaubenspraxis, beim Aufbau von Bildungs- und sozialen Angeboten sowie mit Blick auf die finanzielle Absicherung der islamischen Religionsausübung. Langfristig gilt es jedoch die gleichberechtigte Integration islamischer Organisationen in das religionsverfassungsrechtliche System zu erreichen. Übergangsregelungen und Modellprojekte können Hilfsmittel auf dem Weg sein, dürfen aber keine Provisorien auf Dauer werden. Das Gutachten schließt mit Handlungsempfehlungen, die sowohl die Pluralität islamischen Lebens als auch die Vielfalt der politischen Handlungsmöglichkeiten bedenken. Neben Politik und Verwaltung sind in diesem Prozess die islamischen Gemeinschaften selbst gefordert, den Aufbau von Strukturen und die Professionalisierung der eigenen Arbeit voranzutreiben. Das teilweise islamskeptische Meinungsklima stellt dabei eine besondere Herausforderung dar, die aber nicht dazu führen darf, das Grundrecht auf Religionsfreiheit in Deutschland in Frage zu stellen.
Research Interests:
Der vorliegende Band vollzieht die Entstehung eines islamischen Bewusstseins anhand von zwei aktuellen Entwicklungen nach: Die Bemühung islamischer Vereine um eine Vereinigung mit dem Ziel, muslimische Standpunkte und Forderungen in der... more
Der vorliegende Band vollzieht die Entstehung eines islamischen Bewusstseins anhand von zwei aktuellen Entwicklungen nach: Die Bemühung islamischer Vereine um eine Vereinigung mit dem Ziel, muslimische Standpunkte und Forderungen in der Öffentlichkeit und gegenüber staatlichen Einrichtungen erfolgreicher zu vertreten zum einen und zum anderen die öffentliche Positionierung anerkannter Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Medien, die sich zuvor nicht als religiöse Menschen präsentiert hatten zu aktuellen politischen Debatten als Muslime.
Die Autorin sucht keine eindeutige Definition von Muslimsein, vielmehr führt sie die Vielzahl verschiedener Definitionen und sich wandelnder Selbst- und Fremdbestimmungen vor Augen.
Angesichts der aktuellen Debatten um muslimische Migranten ist die Selbstverständlichkeit zu hinterfragen, mit der die (vermeintliche) Zugehörigkeit zum Islam zu einer der entscheidenden Kategorien genutzt wird, gesellschaftliche Realitäten zu beschreiben. Für Forschende, muslimische Einzelpersonen, islamische Verbände und staatliche Verwaltung stellt sich die Frage, ob die religiöse Terminologie mit der derzeit die Verhandlung im Themenfeld Migration in Deutschland überwiegend geführt wird, sich wirklich eignet, aktuelle Entwicklungen und Probleme zu erfassen.
Die Autorin sucht keine eindeutige Definition von Muslimsein, vielmehr führt sie die Vielzahl verschiedener Definitionen und sich wandelnder Selbst- und Fremdbestimmungen vor Augen.
Angesichts der aktuellen Debatten um muslimische Migranten ist die Selbstverständlichkeit zu hinterfragen, mit der die (vermeintliche) Zugehörigkeit zum Islam zu einer der entscheidenden Kategorien genutzt wird, gesellschaftliche Realitäten zu beschreiben. Für Forschende, muslimische Einzelpersonen, islamische Verbände und staatliche Verwaltung stellt sich die Frage, ob die religiöse Terminologie mit der derzeit die Verhandlung im Themenfeld Migration in Deutschland überwiegend geführt wird, sich wirklich eignet, aktuelle Entwicklungen und Probleme zu erfassen.
Research Interests: German Studies, Sociology of islam, Islam in Europe, Islamic Studies, Muslim Minorities, and 24 morePost Cold War Era, Migration Studies, Muslims in Europe, Islam, Sociology of Migration, Islamic feminism, German Politics, Muslim diasporas in Europe and the US, Muslim feminism, Religious Studies, Cold War Studies, Zeitschrift Der Deutschen Morgenlaendischen Gesellschaft, Hamburg, Germany, islamisches Bewusstsein, Fremdzuschreibung, Ethnisierung, Religious Turn, Islam in Deutschland, Institutionalisierung, Kulturkampf, Wissensproduktion, Ende des kalten Krieges, kalter Krieg, and muslmische Gemeinschaften
Zur Emeritierung von Peter Heine legen Freunde, Kollegen und Schüler des angesehenen Berliner Islamwissenschaftlers 26 Beiträge vor. Der thematische Bogen reicht von Fragen der Verbindlichkeit der Vernunft über die Bedeutung von... more
Zur Emeritierung von Peter Heine legen Freunde, Kollegen und Schüler des angesehenen Berliner Islamwissenschaftlers 26 Beiträge vor. Der thematische Bogen reicht von Fragen der Verbindlichkeit der Vernunft über die Bedeutung von Fortschritt, Aufklärung und Toleranz bis zu konkreten Fragen wie »Karriere mit Kopftuch?« oder »Macht Scharia dick? Islamrechtliche Restriktionen beim Sport und ihre Folgen«. Zusammengenommen wird die große Perspektivenvielfalt der Forschung zum Islam deutlich.
Research Interests:
This publication is based on a survey among the approximately 83 mosques and prayer rooms in the German capital Berlin. Functionaires of local mosque associations have been interviewed based on a questionaire similar to the one that was... more
This publication is based on a survey among the approximately 83 mosques and prayer rooms in the German capital Berlin. Functionaires of local mosque associations have been interviewed based on a questionaire similar to the one that was used in the study published by Gerdien Jonker and Andreas Kapphan in 1999. The publication is hence based on data that was gathered within ten years and can therefore indicate some major trends.
At the center of this publication are the organisational structure and the development of mosques in Berlin, women's access to and spaces in mosques, the different services, different target groups of mosques, contacts to local authorities, police and civil society, and urban activities of Muslim entrepreneurs etc.
At the center of this publication are the organisational structure and the development of mosques in Berlin, women's access to and spaces in mosques, the different services, different target groups of mosques, contacts to local authorities, police and civil society, and urban activities of Muslim entrepreneurs etc.
Research Interests:
In den letzten Jahren wird viel über die Mediennutzung von Migranten in Deutschland gesprochen. Studien setzen sich mit der Rolle auseinander, die Satellitenfernsehen und Sendungen aus den Heimatländern für die migrantischen Gemeinden... more
In den letzten Jahren wird viel über die Mediennutzung von Migranten in Deutschland gesprochen. Studien setzen sich mit der Rolle auseinander, die Satellitenfernsehen und Sendungen aus den Heimatländern für die migrantischen Gemeinden spielen und stellen die Frage nach deren Beitrag zur Integration in Deutschland.
»Islam auf Sendung« beschäftigt sich mit Muslimen, die aktiv die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen ausschöpfen, indem sie selbst Sendungen über ihre Sicht des Islam produzieren. Dies wiederum ist nur im Rahmen der Offenen Kanäle möglich.
Die Autorinnen gehen Fragen von Sichtbarkeit des Islam in Deutschland, Selbstrepräsentation und Veränderungen innerhalb des muslimischen Diskurses nach, die durch die Nutzung des Mediums Fernsehen angestoßen werden. Gleichzeitig ist dies der erste Versuch, die Vielfältigkeit islamischer Programme und deren Inhalte einem breiteren deutschsprachigen Publikum vorzustellen.
»Islam auf Sendung« beschäftigt sich mit Muslimen, die aktiv die Möglichkeiten des Mediums Fernsehen ausschöpfen, indem sie selbst Sendungen über ihre Sicht des Islam produzieren. Dies wiederum ist nur im Rahmen der Offenen Kanäle möglich.
Die Autorinnen gehen Fragen von Sichtbarkeit des Islam in Deutschland, Selbstrepräsentation und Veränderungen innerhalb des muslimischen Diskurses nach, die durch die Nutzung des Mediums Fernsehen angestoßen werden. Gleichzeitig ist dies der erste Versuch, die Vielfältigkeit islamischer Programme und deren Inhalte einem breiteren deutschsprachigen Publikum vorzustellen.
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Der Religionsunterricht ist das einzige im Grundgesetz erwähnte Schulfach. Dennoch ist er wiederkehrenden Diskussionen ausgesetzt, die in der vergangenen Dekade vor allem um den Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Vielfalt... more
Der Religionsunterricht ist das einzige im Grundgesetz erwähnte Schulfach. Dennoch ist er wiederkehrenden Diskussionen ausgesetzt, die in der vergangenen Dekade vor allem um den Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Vielfalt kreisten. Denn neben die christliche Religion und ihre Konfessionen sind in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend sowohl andere "Weltreligionen" als auch neue Formen von Religion getreten. Viele Menschen ziehen sich aus religiösen Strukturen zurück, zugleich konstatiert die Religionsforschung in einer Art Korrektur des seit den 1970er Jahren dominanten Säkularisierungsparadigmas ein Wiederaufleben religionsorientierter Legitimations- und Argumentationsmuster in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Die Aktivitäten religiöser Institutionen diversifizieren sich,[1] und Religion wird mehr und mehr zur Sache von Einzelnen
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in: Salafismus und Dschihadismus in Deutschland, edited by Julian Junk and Janusz Biene, pp. 105-113.
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In: Uwe Backes, Alexander Gallus, und Eckhard Jesse (Hrsg.). Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D) 27, Baden-Baden: Nomos Verlag, 247–269. The paper gives an overview over books on Islamism, Salafism and Islamic Extremism published... more
In: Uwe Backes, Alexander Gallus, und Eckhard Jesse (Hrsg.). Jahrbuch Extremismus & Demokratie (E & D) 27, Baden-Baden: Nomos Verlag, 247–269.
The paper gives an overview over books on Islamism, Salafism and Islamic Extremism published in German language during the year 2014 and discusses the prevalent approaches to these issues in German academia.
The paper gives an overview over books on Islamism, Salafism and Islamic Extremism published in German language during the year 2014 and discusses the prevalent approaches to these issues in German academia.
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Seit dem dänischen Karikaturenstreit und mehr noch dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris ist die Beziehung zwischen Muslimen und Humor ein Thema von höchstem Interesse in europäischen Gesellschaften.... more
Seit dem dänischen Karikaturenstreit und mehr noch dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris ist die Beziehung zwischen Muslimen und Humor ein Thema von höchstem Interesse in europäischen Gesellschaften. Zusätzlich zu der spätestens seit 9/11 etablierten Frage, ob der Islam grundsätzlich gewaltbereit und gegen Meinungsfreiheit sei, wurde nun diskutiert, ob es sich bei ihm um eine humorfeindliche Religion handele und Muslime demnach humorlos seien. Nachdem sie lange Zeit eher ignoriert blieben, wurden Humoristen muslimischen Hintergrunds zu Attraktionen etablierter Comedy- und Satireprogramme.
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While in current debates on Islam in Germany recognition is often reduced to incorporation of Islamic organisations under public law, this article demonstrates that German law provides a variety of legal instruments that allow for public... more
While in current debates on Islam in Germany recognition is often reduced to incorporation of Islamic organisations under public law, this article demonstrates that German law provides a variety of legal instruments that allow for public involvement of religious communities incorporated under private law. Despite the formal separation of state institutions and religious communities, German law encourages collaboration and visibility of religion in public space. This corresponds with the German constitutional framework that locates religion not (only) in the private, but also in the public sphere. Presenting insights from legal and Islamic studies, this article portrays recent legal measures such as new legislation and treaties concluded by German federal states (Bundesländer) and Islamic organisations that enable Muslim religious practice in public space,like prison chaplaincy and burial according to Islamic rites.
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Neue Deutsche beanspruchen über formale Rechte hinausgehend gleichberechtigte Teilhabe und Zugang zu allen gesellschaftlichen Institutionen in Deutschland. Die sich selbst als "Neue Deutsche" bezeichnenden Individuen und Gruppen treten... more
Neue Deutsche beanspruchen über formale Rechte hinausgehend gleichberechtigte Teilhabe und Zugang zu allen gesellschaftlichen Institutionen in Deutschland. Die sich selbst als "Neue Deutsche" bezeichnenden Individuen und Gruppen treten gegenwärtig vor allem in den Medien, der Literatur, dem Theater und der Zivilgesellschaft in die Öffentlichkeit. Zum einen lehnen sie die Markierung und Reduktion über das Beschreibungs- und Unterscheidungsmerkmal "Migrant_in" ab, zum anderen finden sie sich nicht auf der Grundlage einer (vermeintlich) gemeinsamen Abstammung, sondern aufgrund ihrer gesellschaftlichen Ziele zusammen.
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Along with an increasing political, medial and sociopolitical alertness in jihadism came a growing interest in the Sunni current of Islam whose adherents are striving to live like the pious forefathers, the ‘salaf’. A new demand for... more
Along with an increasing political, medial and sociopolitical alertness in jihadism came a growing interest in the Sunni current of Islam whose adherents are striving to live like the pious forefathers, the ‘salaf’. A new demand for information on the development, the numbers and specifications of individuals, networks and associations that were now categorized as salafist has occurred and even more urgently a demand concerning their stance on jihadist violence. Meanwhile, political statements and measures as well as academic research are based on scarce data material that begs major questions for methodology, research ethics and the use of existing data. Perhaps due to the dominance of the security perspective, salafist groups are almost exclusively perceived as an ideology and not as a religious persuasion. This paper presents the state of the art on the basis of a comprehensive collection of publications on salafism and jihadism in Germany between 2007 and 2015. It thereby reveals major research gaps and discusses the effects that different conceptionalizations of the phenomenon have on data generation and further methodological challenges in studying such a highly politicized, rare and elusive part of the population. Thereby this paper aims at contributing to a critical and more reflected use of data on individuals and groups that are categorized as salafists and presents different approaches, perspectives and research designs that could promote a better understanding of the size and dynamics of German salafism.
Mit der zunehmenden politischen, medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für den Jihadismus wuchs in Deutschland auch das Interesse an einem anderen Phänomen: der Ausbreitung einer islamisch sunnitischen Strömung, deren Anhänger sich an den Altvorderen des Islam (salaf) orientieren. So stieg nicht nur die Nachfrage nach belastbaren Zahlen zu den als salafistisch kategorisierten Personen oder Moscheen, sondern insbesondere nach Erkenntnissen über deren Verhältnis zu jihadistischer Gewalt. Das Quellen- und Datenmaterial auf dessen Basis diesbezügliche Einschätzungen gemacht werden können, auf denen politische Statements und Entscheidungen gründen, ist allerdings – so eine zentrale Erkenntnis dieser Erhebung – in hohem Maße lückenhaft. Aufgrund der Dominanz der Sicherheitsperspektive wird Salafismus meist auf Ideologie und Gefährlichkeit reduziert und kaum als komplexeres soziales Phänomen oder als eine Glaubensrichtung wahrgenommen und untersucht. Auf der Basis einer umfassenden Erhebung von Veröffentlichungen zu Salafismus und Jihadismus in Deutschland diskutiert dieser Artikel deshalb mögliche verzerrende Auswirkungen der Konzeptionalisierung von Salafismus auf die Datenerhebung sowie methodologische Herausforderungen. Damit will dieser Beitrag zum kritischen Umgang mit Daten zu als salafistisch kategorisierten Individuen und Gruppierungen anregen, und unterschiedliche Zugänge und Sichtweisen auf das zugrundeliegende Phänomen offenlegen.
Mit der zunehmenden politischen, medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für den Jihadismus wuchs in Deutschland auch das Interesse an einem anderen Phänomen: der Ausbreitung einer islamisch sunnitischen Strömung, deren Anhänger sich an den Altvorderen des Islam (salaf) orientieren. So stieg nicht nur die Nachfrage nach belastbaren Zahlen zu den als salafistisch kategorisierten Personen oder Moscheen, sondern insbesondere nach Erkenntnissen über deren Verhältnis zu jihadistischer Gewalt. Das Quellen- und Datenmaterial auf dessen Basis diesbezügliche Einschätzungen gemacht werden können, auf denen politische Statements und Entscheidungen gründen, ist allerdings – so eine zentrale Erkenntnis dieser Erhebung – in hohem Maße lückenhaft. Aufgrund der Dominanz der Sicherheitsperspektive wird Salafismus meist auf Ideologie und Gefährlichkeit reduziert und kaum als komplexeres soziales Phänomen oder als eine Glaubensrichtung wahrgenommen und untersucht. Auf der Basis einer umfassenden Erhebung von Veröffentlichungen zu Salafismus und Jihadismus in Deutschland diskutiert dieser Artikel deshalb mögliche verzerrende Auswirkungen der Konzeptionalisierung von Salafismus auf die Datenerhebung sowie methodologische Herausforderungen. Damit will dieser Beitrag zum kritischen Umgang mit Daten zu als salafistisch kategorisierten Individuen und Gruppierungen anregen, und unterschiedliche Zugänge und Sichtweisen auf das zugrundeliegende Phänomen offenlegen.
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The religious turn or: Why do we always speak about religion? Throughout Western Europe these days, certain topics bring up the Islam question or the question of the return of religion into the public sphere. However, I would argue that... more
The religious turn or: Why do we always
speak about religion?
Throughout Western Europe these days,
certain topics bring up the Islam question or
the question of the return of religion into the
public sphere. However, I would argue that
often, discussions do not actually address
issues of religion when the words Islam, Islamic
and Muslim garnish the conversation. Often,
we end up speaking about citizenship, about
neighbourhoods, about crime, the future of
the youth, political participation and mostly the
image of the self, of a nation, of Europe, the
Western hemisphere or western values. The
(other) religion that is allegedly the core issue is
often just a mirror that serves as the counterpart
to how the beautiful self is imagined, the ideal
European society with equality between men
and women, freedom of religion and lifestyle,
tolerance towards sexual orientation and equal
treatment of racialised and ethnicised individuals
and communities. The aforementioned not only
become invoked values that claim to portray a
consensus in European democracies, but often
are not followed sincerely by those who ask socalled
newcomers to subscribe to these values.
speak about religion?
Throughout Western Europe these days,
certain topics bring up the Islam question or
the question of the return of religion into the
public sphere. However, I would argue that
often, discussions do not actually address
issues of religion when the words Islam, Islamic
and Muslim garnish the conversation. Often,
we end up speaking about citizenship, about
neighbourhoods, about crime, the future of
the youth, political participation and mostly the
image of the self, of a nation, of Europe, the
Western hemisphere or western values. The
(other) religion that is allegedly the core issue is
often just a mirror that serves as the counterpart
to how the beautiful self is imagined, the ideal
European society with equality between men
and women, freedom of religion and lifestyle,
tolerance towards sexual orientation and equal
treatment of racialised and ethnicised individuals
and communities. The aforementioned not only
become invoked values that claim to portray a
consensus in European democracies, but often
are not followed sincerely by those who ask socalled
newcomers to subscribe to these values.
Research Interests:
The notion of a dichotomy or even an antagonism between “the West” and “the Orient” has a long history. After September 2001 though, it became dominant in shaping contemporary political debates and the perception of global power... more
The notion of a dichotomy or even an antagonism between “the West” and “the Orient” has a long history. After September 2001 though, it became dominant in shaping contemporary political debates and the perception of global power structures both in the media and in the cultural field. Since then, media representations, political debates and also academic work on 9/11 and its repercussions are characterized by their focus on Muslims and Islam which – even if connected to a well-meaning awareness for stereotyping and discrimination – excludes a range of issues and leaves blank spaces.
This paper collects some of the many stories and examples of activities initiated by political leaders or engaged citizens, by religious authorities or lay members of faith groups that can serve as accounts of an engagement for mutual understanding resisting extremist’s narratives of irreconcilableness of different faith groups. These many stories and initiatives can show that “the West” does suddenly not appear as one block looking down upon people of other colors and faiths. On the one hand they are part of “the West” in most of these stories and on the other hand, “the West” itself appears divided in those nativist, racists or culturalist trends that reject approaches that are appreciative of other faiths and ethnicities and those individuals and groups or even government funded institutions who support pluralist societies that are inclusive of Muslims.
Some of the examples that are mentioned in this text, where more or less direct reactions to a tragic event or an act of hatred that in effect brought people from different faith communities together. These cases show us, that in an unexpected way, acts of hatred can be the spark to begin a long–term relation. In other cases it was a long-standing relation that allowed reacting and rejecting a challenge for the multi-religious community. Another effect of 9/11 cannot be denied. It led Muslims to become more engaged in various dialogues, fostered the institutionalization of Islam in minority situations and the opening up of mosques.
This paper collects some of the many stories and examples of activities initiated by political leaders or engaged citizens, by religious authorities or lay members of faith groups that can serve as accounts of an engagement for mutual understanding resisting extremist’s narratives of irreconcilableness of different faith groups. These many stories and initiatives can show that “the West” does suddenly not appear as one block looking down upon people of other colors and faiths. On the one hand they are part of “the West” in most of these stories and on the other hand, “the West” itself appears divided in those nativist, racists or culturalist trends that reject approaches that are appreciative of other faiths and ethnicities and those individuals and groups or even government funded institutions who support pluralist societies that are inclusive of Muslims.
Some of the examples that are mentioned in this text, where more or less direct reactions to a tragic event or an act of hatred that in effect brought people from different faith communities together. These cases show us, that in an unexpected way, acts of hatred can be the spark to begin a long–term relation. In other cases it was a long-standing relation that allowed reacting and rejecting a challenge for the multi-religious community. Another effect of 9/11 cannot be denied. It led Muslims to become more engaged in various dialogues, fostered the institutionalization of Islam in minority situations and the opening up of mosques.
Research Interests:
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This Encyclopedia entry gives a summary of research on Muslim women in Europe including longstanding presence of Muslims on the Balkan as well as the Baltic Region and the Immigration after the Second Worldwar. It also mentions the fact... more
This Encyclopedia entry gives a summary of research on Muslim women in Europe including longstanding presence of Muslims on the Balkan as well as the Baltic Region and the Immigration after the Second Worldwar.
It also mentions the fact that within the rising geopolitical and national debates about the presence of Islam and Muslims in Europe, Muslim women are positioned at the verge of religious and national, as well as racialized and ethniziced identities. In the often gendered debates, Muslim women are caught between exclusion and belonging, having to face marginalization both within larger societies and Muslim communities.
The entry also presents three different structural approaches to achieve women’s objectives in the European context:
1. Gender segregated spaces and structures in mixed gender organizations;
2. Participation in mixed gender organisations including access to resources and decision making by both men and women; and last but not least
3. Exclusive organisations for Muslim women with structure, space and decision making in their own hands.
It also mentions the fact that within the rising geopolitical and national debates about the presence of Islam and Muslims in Europe, Muslim women are positioned at the verge of religious and national, as well as racialized and ethniziced identities. In the often gendered debates, Muslim women are caught between exclusion and belonging, having to face marginalization both within larger societies and Muslim communities.
The entry also presents three different structural approaches to achieve women’s objectives in the European context:
1. Gender segregated spaces and structures in mixed gender organizations;
2. Participation in mixed gender organisations including access to resources and decision making by both men and women; and last but not least
3. Exclusive organisations for Muslim women with structure, space and decision making in their own hands.
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"Die post-migrantische Gesellschaft ist keine Gesellschaft, die sich mit Einwanderung – häufig verschämt als Migration bezeichnet – und der darauf zurückgehenden Pluralisierung der Gesellschaft abgefunden hat und diese als normal, als... more
"Die post-migrantische Gesellschaft ist keine Gesellschaft, die sich mit Einwanderung – häufig verschämt als Migration bezeichnet – und der darauf zurückgehenden Pluralisierung der Gesellschaft abgefunden hat und diese als normal, als selbstverständlich und unproblematisch betrachtet. Im Gegenteil: Als post-migrantisch sind Gesellschaften zu charakterisieren, die mit den Effekten der vormals stattgefundenen und möglicherweise auch noch anhaltenden Migration, mit der Pluralisierung ihrer Bevölkerung, ihren gesellschaftlichen Milieus und Lebensstilen hadern.
Seit etwa einer Dekade werden viele Themen, die mit dem Nationalverständnis, mit dem Selbstverständnis als Deutsche, als Deutschland oder auch als Europa zu tun haben, in der Terminologie von Integration, Migration und Religion diskutiert und verhandelt.
Die Obsession, die sich aus diesem Unbehagen speist, und der Bedarf an Ordnung und Übersicht, den die offensichtliche Beunruhigung über die verschiedenen Formen gesellschaftlicher Pluralität hervorruft, bringen quantitative Studien zu Migration und deren Effekte hervor, die seit einigen Jahren zumeist in der Terminologie der Integration gefasst sind. Damit sind wir bei den Studien in der post-migrantischen Gesellschaft. Die Obsession der post-migrantischen Gesellschaft mit der Migration bestimmter Einwanderer führt also zu vermehrten Praktiken der Zählung, Quantifizierung und Vermessung, der Ordnung, Unterteilung und Einordnung."
Seit etwa einer Dekade werden viele Themen, die mit dem Nationalverständnis, mit dem Selbstverständnis als Deutsche, als Deutschland oder auch als Europa zu tun haben, in der Terminologie von Integration, Migration und Religion diskutiert und verhandelt.
Die Obsession, die sich aus diesem Unbehagen speist, und der Bedarf an Ordnung und Übersicht, den die offensichtliche Beunruhigung über die verschiedenen Formen gesellschaftlicher Pluralität hervorruft, bringen quantitative Studien zu Migration und deren Effekte hervor, die seit einigen Jahren zumeist in der Terminologie der Integration gefasst sind. Damit sind wir bei den Studien in der post-migrantischen Gesellschaft. Die Obsession der post-migrantischen Gesellschaft mit der Migration bestimmter Einwanderer führt also zu vermehrten Praktiken der Zählung, Quantifizierung und Vermessung, der Ordnung, Unterteilung und Einordnung."
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The city of Berlin supports a highly diversified network of anti-discrimination initiatives that originated in civil society, from non-government organizations and other stakeholders. Discrimination on the basis of religion, and... more
The city of Berlin supports a highly diversified network of anti-discrimination initiatives that originated in civil society, from non-government organizations and other stakeholders. Discrimination on the basis of religion, and specifically of Muslims, has for a long time not been covered by any professionalized organization in Germany’s capital. Recent surveys raised awareness for the high number of Muslims that report to have experienced discrimination because of their religion without taking any legal action upon these cases. At the end of 2010, the Commissioner for Integration and Migration of the Berlin Senate announced a new project under the headline Active against Discrimination of Muslims in order to support specialized measures of trust-building, advice and counseling in the framework of the city’s anti-discrimination initiatives. Legal debates often take place far from public discourse, and are largely incomprehensible to the majority of the population, especially those marginalized in education, the job market and political decision-making. The article therefore argues to include both the perspectives of those who experience discrimination as well as of those who counter unequal treatment at the grassroots level and take the challenge of closing the gap between law and people in research and debates on discrimination. This perspective opens our view for two understudied phenomena: the reluctance of Muslims who experience discrimination to report their cases and the strategies Muslims develop to avoid discrimination.
Most claimants visit them rather to seek psychosocial advice and information about the legal situation in counselling agencies rather than to take legal action. Claimants prefer mediation by an NGO to taking the case to court. Getting confirmation that they are in the right seems more important than to get their legal right and to stimulate institutions or private corporations to reflect about exclusive actions and possibly revise them in the future. This results in a lack of legal complaints and a lack of both jurisdiction and its thematization in litigation strategies.
Not applying for a position when it is suspect that women with headscarves would not be accepted, leaving the house as little as possible, not walking alone in public or not seeking help or service are strategies to evade discrimination or harassment. These strategies of coping with discrimination show that firstly, discrimination renders Muslims and especially Muslim women immobile and, secondly, that data on the frequency, nature and impact of cases of discrimination that actually happened do not suffice to fully understand the nature of discrimination and its effects. Researchers also need to consider strategies taken by potential victims to avoid discrimination or harassment in order to assess their relevance in people’s everyday lives.
Most claimants visit them rather to seek psychosocial advice and information about the legal situation in counselling agencies rather than to take legal action. Claimants prefer mediation by an NGO to taking the case to court. Getting confirmation that they are in the right seems more important than to get their legal right and to stimulate institutions or private corporations to reflect about exclusive actions and possibly revise them in the future. This results in a lack of legal complaints and a lack of both jurisdiction and its thematization in litigation strategies.
Not applying for a position when it is suspect that women with headscarves would not be accepted, leaving the house as little as possible, not walking alone in public or not seeking help or service are strategies to evade discrimination or harassment. These strategies of coping with discrimination show that firstly, discrimination renders Muslims and especially Muslim women immobile and, secondly, that data on the frequency, nature and impact of cases of discrimination that actually happened do not suffice to fully understand the nature of discrimination and its effects. Researchers also need to consider strategies taken by potential victims to avoid discrimination or harassment in order to assess their relevance in people’s everyday lives.
Research Interests: Social Psychology, Transnationalism, Migration, Sociology of islam, Discrimination, and 27 moreModernization, Islam in Europe, Diaspora, Minority Studies, Muslim Minorities, Islam, Islamophobia, Muslim diasporas in Europe and the US, Islam (Anthropology), Minority Rights, Political Islam, Youth, Integration, Gender Diversity, Racism, Identity, Islamophobia, Prejudice and Discrimination, Anti-Gay Bullying, anti-Muslim prejudice, Xenophobia, Anti-discrimination law, Islam in Deutschland, Islam in Germany, German Turks, Citizenship and Stratification, Reactive Identity Formation, Critical Perspectives on European Union, and Anti Muslim Prejudice
"Stand-up comedy and other creative political interventions of Muslims or individuals of Muslim background have largely been neglected within research on the political participation in this field. Most surveys on political participation... more
"Stand-up comedy and other creative political interventions of Muslims or individuals of Muslim background have largely been neglected within research on the political participation in this field. Most surveys on political participation concentrate on active and passive elective participation, the measurement of trust in legal and political institutions, adherence to liberal-democratic values, degrees of organization, and protest movements. This article, however, approaches political satire and other subversive strategies that allow subalterns to address injustice, discrimination and structural exclusion from the political field as a form of political activism. In an atmosphere of suspicion and verbal taboos, political satire can play a significant role by addressing and criticizing attempts for domestication and securitization.
With “Allah made me funny”, “Little mosque in the prairie” and “Moslem TÜV” Muslim comedy and satire entered mainstream entertainment in Northern America but also in some Western European countries, especially after the Danish Muhammad cartoon crisis. With Fatih Çevikkollu this chapter focuses on a specific Muslim comedian but also opens its view to other performers of Muslim background and their position in the German comedy scene. Thereby it is first of all interested in comedians who perform at a professional level and present themselves as Muslims or as individuals with a Turkish or Muslim background while taking a stance on Islam and Integration debates in their performances. It departs from the notion that Muslims’ contributions to politically grounded satire, the field of humor, of absurdity, ridiculing, and subversion are worth examining in terms of their contents as well as of their political strategies to address the unspeakable."
With “Allah made me funny”, “Little mosque in the prairie” and “Moslem TÜV” Muslim comedy and satire entered mainstream entertainment in Northern America but also in some Western European countries, especially after the Danish Muhammad cartoon crisis. With Fatih Çevikkollu this chapter focuses on a specific Muslim comedian but also opens its view to other performers of Muslim background and their position in the German comedy scene. Thereby it is first of all interested in comedians who perform at a professional level and present themselves as Muslims or as individuals with a Turkish or Muslim background while taking a stance on Islam and Integration debates in their performances. It departs from the notion that Muslims’ contributions to politically grounded satire, the field of humor, of absurdity, ridiculing, and subversion are worth examining in terms of their contents as well as of their political strategies to address the unspeakable."
Research Interests:
Nach einem Blick auf Konstruktionen des Muslims in den Medien widmet sich dieser Beitrag den Verschränkungen der bundesdeutschen Integrations- und Islampolitik, bevor er sich den analytischen Unschärfen in der Wissensproduktion zu... more
Nach einem Blick auf Konstruktionen des Muslims in den Medien widmet sich dieser Beitrag den Verschränkungen der bundesdeutschen Integrations- und Islampolitik, bevor er sich den analytischen Unschärfen in der Wissensproduktion zu Muslimen im akademischen Feld zuwendet. Mit Medien, Politik und Forschung greift er in kursorischer Weise drei verschiedene an der Konzeptualisierung von Muslimen als Migranten beteiligte und in Wechselwirkung stehende gesellschaftliche Handlungsfelder auf und zielt darauf ab, eingehendere Analysen der Konstruktionsprozesse in den Debatten über Islam, Migration und Integration anzuregen. Er ist ein Plädoyer dafür, die Überschneidungen und Inkongruenzen der Kategorien "Muslim" und "Migrant" in Deskription und Analyse bewusst wahrzunehmen und methodisch zu operationalisieren, sie vor allem aber nicht als natürlich gegeben oder selbstverständlich anzunehmen.
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"This article looks at the emergence of Muslims as a category of knowledge in surveys and opinion polls that have been conducted as a reaction to the rising demand for data about Muslim populations in Western Europe within the last ten... more
"This article looks at the emergence of Muslims as a category of knowledge in surveys and opinion polls that have been conducted as a reaction to the rising demand for data about Muslim populations in Western Europe within the last ten years. The most prevalent feature of the conceptualization of Muslims is that they are inherently immigrants, or of immigrant descent,
who are living within a certain nation state. This creates a continuous statistical invisibility of certain Muslims, for instance those without immigration backgrounds, as well as Muslims with
national backgrounds other than Muslim majority countries. Further, this identification of the Muslim as immigrant, even if unintended, contributes to upholding a subtle exclusion of Muslims from the national community as always foreign and always potentially in need of integration."
who are living within a certain nation state. This creates a continuous statistical invisibility of certain Muslims, for instance those without immigration backgrounds, as well as Muslims with
national backgrounds other than Muslim majority countries. Further, this identification of the Muslim as immigrant, even if unintended, contributes to upholding a subtle exclusion of Muslims from the national community as always foreign and always potentially in need of integration."
Research Interests:
The 2005-prayer led by Amina Wadud, because of its emblematic and media compatible message, is used in a paradoxical way as a symbol of the backwardness of Islam in public debates. The dominant understanding among actors (Muslim and... more
The 2005-prayer led by Amina Wadud, because of its emblematic and media compatible message, is used in a paradoxical way as a symbol of the backwardness of Islam in public debates. The dominant understanding among actors (Muslim and non-Muslim), who portray female imams as an impossibility in Islam, seems to support the marginalization of Muslim women in the course of the establishment of Islamic chairs at German universities which are currently established and conceptualized as the basis for an education for imams from and for Germany. While in a rather typical way for German Universities women make up the majority of students and can be found among the academic staff as well as in the secretariats all of professorial chairs that who had been appointed by the end of 2011 happened to be male. Because of these and other developments it is to be expected that the current framing of debates around female imams and the participation of women in the production and dissemination of Islamic knowledge will have long-term effects. Amina Wadud has engaged in a lifelong struggle for equal participation of believers regardless of their gender. Nonetheless, Muslim women will have to keep fighting to be heard in German auditoriums and continue to face the dilemma that the configuration of the semantics of the actual either questions their intentions or utilizes their activities to portray Islam as misogynist.
Research Interests:
taz: Frau Spielhaus, eine Studie über Muslime hat jüngst für Wirbel gesorgt: Innenminister Hans-Peter Friedrich nutzte sie in der Bild-Zeitung, die sie zunächst exklusiv hatte, um vor radikalen Muslimen zu warnen. Später stellte sich... more
taz: Frau Spielhaus, eine Studie über Muslime hat jüngst für Wirbel gesorgt: Innenminister Hans-Peter Friedrich nutzte sie in der Bild-Zeitung, die sie zunächst exklusiv hatte, um vor radikalen Muslimen zu warnen. Später stellte sich heraus, dass die Zahlen, auf die er sich berief, gar nicht repräsentativ waren. Hat Sie dieser schlampige Umgang mit wissenschaftlichen Daten überrascht?
Riem Spielhaus: Nein. Die Ministerien suchen mit solchen Studien gerne die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit, um ihre Politik zuz legitimieren. Deshalb muss man als Wissenschaftler darauf achten, in welchen politischen Kontext man seine Arbeit stellt.
Die Autoren der Studie, die im Auftrag des Innenministeriums erstellt wurde, sind jetzt entrüstet und verzweifelt darüber, wie sehr die Ergebnisse verzerrt wurden. Waren Sie naiv?
Riem Spielhaus: Ja, denn wenn wir zurück blicken, gab es vergleichbare Fälle. So war es schon mit einer Studie über „Muslime in Deutschland“, die der damalige Innenminister Schäuble 2007 präsentierte. Oder im letzten Jahr mit einer Studie über Zwangsheiraten, die Familienministerin Schröder in Auftrag gab. Der wissenschaftliche Beirat sah sich damals genötigt, in einem offenen Brief die verzerrte Interpretation der Ministerin richtig zu stellen.
Sollte man als Wissenschaftler besser keine Aufträge von solchen Ministern annehmen?
Riem Spielhaus: Es stellt die Wissenschaftler jedenfalls vor ein Dilemma, denn man möchte man natürlich Einfluss haben, auch auf politische Entscheidungen. Andererseits werden solche Studien von Institutionen beauftragt und finanziert, die bestimmte politische Interessen haben. Da stellt sich die Frage, wie unabhängig eine solche Forschung überhaupt sein kann.
Was halten Sie denn von der Studie, um die es jetzt geht?
Riem Spielhaus: Als großes Manko scheint mir, dass hier - wie in vielen anderen Studien - Muslime und Migranten gleichgesetzt und wie Synonyme behandelt werden. Die Unterschiede werden kaum reflektiert. Diese Unschärfe zeigt sich etwa dann, wenn die befragten Muslime nach ihren Kontakten „zu Deutschen“ und „zu Muslimen“ befragt werden - was ja nahelegt, dass Muslime selbst keine Deutschen sein können.
Was wäre richtig?
Riem Spielhaus: Der Islam ist in erster Linie eine Religion: die Frage, ob Muslime sich integrieren wollen, unterstellt, dass sie es potentiell noch nicht sind. Und wenn es um Radikalisierung geht, dann zeigen die jüngsten Berichte der Sicherheitsbehörden doch, dass die größte Gefahr, gerade von nichtmuslimischen Jugendlichen ausgeht, die sich radikalisieren und dem Islam zuwenden. Sie sind die größte Risikogruppe - aber in dieser Umfrage wird sie kaum berücksichtigt. Das Problem wird bei den Einwanderern verortet. Deshalb sollten Forschende immer kritisch prüfen, von welchen unhinterfragten Vorannahmen sie ausgehen.
Ziel dieser Studie war es, die Rolle der Medien bei der Radikalisierung junger Muslime zu erforschen. Ist das gelungen?
Riem Spielhaus: Es ist sehr zweifelhaft, ob eine quantitative Umfrage hilft, diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Telefonumfragen sind nicht besonders geeignet, um kleine Segmente der Gesellschaft zu erforschen. Es ist auch fraglich, ob diejenigen, um die es dabei geht, überhaupt bereit sind, an so einer Umfrage teilzunehmen.
Für Aufregung sorgte vor allem der Befund, nach dem sich ein Viertel der Befragten mit deutschem Pass und fast die Hälfte der nichtdeutschen Muslime nicht integrieren wollen. Was halten Sie davon?
Riem Spielhaus: Wie Integration definiert wird, scheint mir stark auf Aspekte der Akkulturalisierung verkürzt zu sein: vom Gefühl, dazuzugehören und „deutsch“ zu sein. Das Dilemma viele Migranten ist aber: was gebe ich auf, wie viel bewahre ich. In der Studie scheint das klar bewertbar zu sein: Assimilation ist gut. In der Lebensrealität stellt sich das viel ambivalenter dar.
Ist die Zahl nicht dennoch hoch?
Riem Spielhaus: In der medialen Skandalisierung ist die genaue Zahl letztlich unwichtig. Egal, wie hoch sie am Ende ist - sie ist immer zu hoch. Relevant ist die Frage, die in der medialen Aufbereitung meist affirmativ bestärkt wird: wir müssen Muslime offensichtlicgh immer wieer fragen, wie sie zu Gewalt gegen Frauen, zu Homosexuellen und Juden oder zu Demokratie und Menschenrechten stehen. Damit wird ständig ein Bezug zwischen Muslimen und etwa Antisemitismus und Homophobie hergestellt. Und die Relevanz dieser Frage wird durch jede neue Studie bestätigt - auch wenn die Ergebnisse, wie hier, gar nicht so stark vom gesellschaftlichen Durchschnitt abweichen.
Sie haben europaweit über 50 Studien über Muslime, die in den letzten Jahren entstanden sind, verglichen. Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
Riem Spielhaus: Zunächst einmal hat sich die Kategorie „Muslim“ erst seit dem Jahr 2000 in der Forschung etabliert, indem Muslime als Gruppe zum Forschungsobjekt gemacht wurden. Die meisten Studien legen dabei einen starken Fokus auf Radikalisierung, Sicherheit und Integration. Religiöse Praxis wird fast ausschließlich auf sichtbare Zeichen reduziert: Kopftuch, Fasten, in die Moschee gehen. Das spiegelt die öffentlichen Debatten wieder, die um Andersartigkeit und Sichtbarkeit der Muslime kreisen.
Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern?
Riem Spielhaus: In Dänemark, Großbritannien und Deutschland gibt es die meisten Studien. In Großbritannien hat man auch schon früh in den 1990ern damit begonnen, Muslime als Gruppe zu erforschen, da hat man in Deutschland noch von Türken und Ex-Gastarbeitern gesprochen. In Frankreich und Schweden dagegen gibt es bis heute ein großes Unbehagen, ethnische und religiöse Minderheiten als Gruppe zu kategorisieren. Das widerspricht der politischen Kultur dieser Länder.
Am meisten unterscheiden sich die Studien allerdings danach, ob sie von staatlicher Seite, von Medien oder Stiftungen in Auftrag gegeben wurden oder an Universitäten entstanden sind. Den Staaten geht es meist darum, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu vermessen, als Mittel zum Regieren und zur Kontrolle. Andere Studien sind eher von dem Interesse geleitet, den Betroffenen eine Stimme zu geben und auf Probleme hinzuweisen. So wie die Städtestudie des Open Society Instituts, die auf lokaler Ebene auch Lösungen vorschlägt.
Was fehlt?
Riem Spielhaus: Nach Glauben und Spiritualität wird selten gefragt: Gibt mir die Religion Kraft? Glaubt man an Gott? Auch die innermuslimische Debatte, etwa zur Scharia als Ethik, wird kaum abgebildet: Wie viele sehen die Scharia als ethische Richtschnur - und wie viele hängen extremistischen Deutungen an? Statt dessen werden Stereotype abgefragt. Die meisten dieser Studien, so auch diese, stammen aber auch nicht von Islamwissenschaftlern - sondern, so wie hier, von Psychologen, Kriminologen oder Migrationssoziologen. Das merkt man ihnen an.
Welche Studie gibt es noch gar nicht?
Riem Spielhaus: Es gibt zum Beispiel noch keine Studie von offizieller Seite, die das Tragen eines Kopftuchs mit Bildungserfolg oder Barrieren auf dem Arbeitsmarkt in Zusammenhang bringt. Diskriminierung wird überhaupt nur selten thematisiert.
In der aktuellen Studie ist Diskriminierung schon ein Thema ...
Riem Spielhaus: Ja, aber nur mit Blick auf die Gefahr einer Radikalisierung. Das ist typisch. Diskriminierung als solche scheint weniger als Problem empfunden zu werden - denn wenn man dagegen vorgehen wollte, müsste man anders fragen. Es gibt ja verschiedene Formen der Diskriminierung - nicht nur, wie hier gefragt, aufgrund der Herkunft, sondern auch aufgrund der Sichtbarkeit der Religion. Auch wäre interessant zu wissen, ob sich die Opfer allein gelassen oder von der Gesellschaft unterstützt fühlen.
Grundsätzlich aber stellt sich die Frage: warum fragt man überhaupt nach Muslimen? Dieser Fokus bestärkt die Entwicklung einer muslimischen Identität. Denn dieses ständige Befragtwerden führt erst dazu, dass sich viele als Muslime verstehen. Für die Wissenschaft heißt das: Beschreiben wir hier eine bestehende Gruppe? Oder schaffen wir sie erst, indem wir sie als solche untersuchen? Und wer fällt aus den Blickfeld? Ägyptische Kopten, türkische Christen und Juden, aber auch katholische Italiener und Spanier haben oft ähnliche Probleme wie Muslime. Sie werden nur nicht so stark wahr genommen - dafür werden sie aber auch nicht mit solchen Stereotypen belegt.
Welche Folgen hat die einseitige Ausrichtung solcher Studien?
Riem Spielhaus: Zunehmend verweigern sich Muslime solchen Umfragen und Studien, so dass Forscher schon von „research fatigue“, von Forschungsmüdigkeit sprechen. Viele Befragte haben ja die Hoffnung, Gehör zu finden, wenn sie sich an solchen Studien beteiligen. Aber wenn diese Erwartung immer wieder enttäuscht wird, weil die Ergebnisse entstellt werden, entziehen sie sich.
Am Ende der Studie haben die Autoren Empfehlungen an die Politik verfasst, die Friedrich kaum gefallen haben dürften. Sie kommen zu dem Schluss, dass Kopftuch- und Minarettverbote nur den Radikalen nützen und plädieren dafür, Einwanderern die doppelte Staatsbürgerschaft und mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Ist das falsch?
Riem Spielhaus: Nein, die Forscher sind sehr pragmatisch. Sie versuchen, den sicherheitspolitischen Blick positiv zu wenden und sagen, dass eine Radikalisierung durch mehr Integration verhindert werden kann. Aber gleiche Rechte für Einwanderer sollten keine Belohnung für Wohlverhalten, sondern ein Wert an sich sein.
Riem Spielhaus: Nein. Die Ministerien suchen mit solchen Studien gerne die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit, um ihre Politik zuz legitimieren. Deshalb muss man als Wissenschaftler darauf achten, in welchen politischen Kontext man seine Arbeit stellt.
Die Autoren der Studie, die im Auftrag des Innenministeriums erstellt wurde, sind jetzt entrüstet und verzweifelt darüber, wie sehr die Ergebnisse verzerrt wurden. Waren Sie naiv?
Riem Spielhaus: Ja, denn wenn wir zurück blicken, gab es vergleichbare Fälle. So war es schon mit einer Studie über „Muslime in Deutschland“, die der damalige Innenminister Schäuble 2007 präsentierte. Oder im letzten Jahr mit einer Studie über Zwangsheiraten, die Familienministerin Schröder in Auftrag gab. Der wissenschaftliche Beirat sah sich damals genötigt, in einem offenen Brief die verzerrte Interpretation der Ministerin richtig zu stellen.
Sollte man als Wissenschaftler besser keine Aufträge von solchen Ministern annehmen?
Riem Spielhaus: Es stellt die Wissenschaftler jedenfalls vor ein Dilemma, denn man möchte man natürlich Einfluss haben, auch auf politische Entscheidungen. Andererseits werden solche Studien von Institutionen beauftragt und finanziert, die bestimmte politische Interessen haben. Da stellt sich die Frage, wie unabhängig eine solche Forschung überhaupt sein kann.
Was halten Sie denn von der Studie, um die es jetzt geht?
Riem Spielhaus: Als großes Manko scheint mir, dass hier - wie in vielen anderen Studien - Muslime und Migranten gleichgesetzt und wie Synonyme behandelt werden. Die Unterschiede werden kaum reflektiert. Diese Unschärfe zeigt sich etwa dann, wenn die befragten Muslime nach ihren Kontakten „zu Deutschen“ und „zu Muslimen“ befragt werden - was ja nahelegt, dass Muslime selbst keine Deutschen sein können.
Was wäre richtig?
Riem Spielhaus: Der Islam ist in erster Linie eine Religion: die Frage, ob Muslime sich integrieren wollen, unterstellt, dass sie es potentiell noch nicht sind. Und wenn es um Radikalisierung geht, dann zeigen die jüngsten Berichte der Sicherheitsbehörden doch, dass die größte Gefahr, gerade von nichtmuslimischen Jugendlichen ausgeht, die sich radikalisieren und dem Islam zuwenden. Sie sind die größte Risikogruppe - aber in dieser Umfrage wird sie kaum berücksichtigt. Das Problem wird bei den Einwanderern verortet. Deshalb sollten Forschende immer kritisch prüfen, von welchen unhinterfragten Vorannahmen sie ausgehen.
Ziel dieser Studie war es, die Rolle der Medien bei der Radikalisierung junger Muslime zu erforschen. Ist das gelungen?
Riem Spielhaus: Es ist sehr zweifelhaft, ob eine quantitative Umfrage hilft, diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Telefonumfragen sind nicht besonders geeignet, um kleine Segmente der Gesellschaft zu erforschen. Es ist auch fraglich, ob diejenigen, um die es dabei geht, überhaupt bereit sind, an so einer Umfrage teilzunehmen.
Für Aufregung sorgte vor allem der Befund, nach dem sich ein Viertel der Befragten mit deutschem Pass und fast die Hälfte der nichtdeutschen Muslime nicht integrieren wollen. Was halten Sie davon?
Riem Spielhaus: Wie Integration definiert wird, scheint mir stark auf Aspekte der Akkulturalisierung verkürzt zu sein: vom Gefühl, dazuzugehören und „deutsch“ zu sein. Das Dilemma viele Migranten ist aber: was gebe ich auf, wie viel bewahre ich. In der Studie scheint das klar bewertbar zu sein: Assimilation ist gut. In der Lebensrealität stellt sich das viel ambivalenter dar.
Ist die Zahl nicht dennoch hoch?
Riem Spielhaus: In der medialen Skandalisierung ist die genaue Zahl letztlich unwichtig. Egal, wie hoch sie am Ende ist - sie ist immer zu hoch. Relevant ist die Frage, die in der medialen Aufbereitung meist affirmativ bestärkt wird: wir müssen Muslime offensichtlicgh immer wieer fragen, wie sie zu Gewalt gegen Frauen, zu Homosexuellen und Juden oder zu Demokratie und Menschenrechten stehen. Damit wird ständig ein Bezug zwischen Muslimen und etwa Antisemitismus und Homophobie hergestellt. Und die Relevanz dieser Frage wird durch jede neue Studie bestätigt - auch wenn die Ergebnisse, wie hier, gar nicht so stark vom gesellschaftlichen Durchschnitt abweichen.
Sie haben europaweit über 50 Studien über Muslime, die in den letzten Jahren entstanden sind, verglichen. Was ist Ihnen dabei aufgefallen?
Riem Spielhaus: Zunächst einmal hat sich die Kategorie „Muslim“ erst seit dem Jahr 2000 in der Forschung etabliert, indem Muslime als Gruppe zum Forschungsobjekt gemacht wurden. Die meisten Studien legen dabei einen starken Fokus auf Radikalisierung, Sicherheit und Integration. Religiöse Praxis wird fast ausschließlich auf sichtbare Zeichen reduziert: Kopftuch, Fasten, in die Moschee gehen. Das spiegelt die öffentlichen Debatten wieder, die um Andersartigkeit und Sichtbarkeit der Muslime kreisen.
Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern?
Riem Spielhaus: In Dänemark, Großbritannien und Deutschland gibt es die meisten Studien. In Großbritannien hat man auch schon früh in den 1990ern damit begonnen, Muslime als Gruppe zu erforschen, da hat man in Deutschland noch von Türken und Ex-Gastarbeitern gesprochen. In Frankreich und Schweden dagegen gibt es bis heute ein großes Unbehagen, ethnische und religiöse Minderheiten als Gruppe zu kategorisieren. Das widerspricht der politischen Kultur dieser Länder.
Am meisten unterscheiden sich die Studien allerdings danach, ob sie von staatlicher Seite, von Medien oder Stiftungen in Auftrag gegeben wurden oder an Universitäten entstanden sind. Den Staaten geht es meist darum, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu vermessen, als Mittel zum Regieren und zur Kontrolle. Andere Studien sind eher von dem Interesse geleitet, den Betroffenen eine Stimme zu geben und auf Probleme hinzuweisen. So wie die Städtestudie des Open Society Instituts, die auf lokaler Ebene auch Lösungen vorschlägt.
Was fehlt?
Riem Spielhaus: Nach Glauben und Spiritualität wird selten gefragt: Gibt mir die Religion Kraft? Glaubt man an Gott? Auch die innermuslimische Debatte, etwa zur Scharia als Ethik, wird kaum abgebildet: Wie viele sehen die Scharia als ethische Richtschnur - und wie viele hängen extremistischen Deutungen an? Statt dessen werden Stereotype abgefragt. Die meisten dieser Studien, so auch diese, stammen aber auch nicht von Islamwissenschaftlern - sondern, so wie hier, von Psychologen, Kriminologen oder Migrationssoziologen. Das merkt man ihnen an.
Welche Studie gibt es noch gar nicht?
Riem Spielhaus: Es gibt zum Beispiel noch keine Studie von offizieller Seite, die das Tragen eines Kopftuchs mit Bildungserfolg oder Barrieren auf dem Arbeitsmarkt in Zusammenhang bringt. Diskriminierung wird überhaupt nur selten thematisiert.
In der aktuellen Studie ist Diskriminierung schon ein Thema ...
Riem Spielhaus: Ja, aber nur mit Blick auf die Gefahr einer Radikalisierung. Das ist typisch. Diskriminierung als solche scheint weniger als Problem empfunden zu werden - denn wenn man dagegen vorgehen wollte, müsste man anders fragen. Es gibt ja verschiedene Formen der Diskriminierung - nicht nur, wie hier gefragt, aufgrund der Herkunft, sondern auch aufgrund der Sichtbarkeit der Religion. Auch wäre interessant zu wissen, ob sich die Opfer allein gelassen oder von der Gesellschaft unterstützt fühlen.
Grundsätzlich aber stellt sich die Frage: warum fragt man überhaupt nach Muslimen? Dieser Fokus bestärkt die Entwicklung einer muslimischen Identität. Denn dieses ständige Befragtwerden führt erst dazu, dass sich viele als Muslime verstehen. Für die Wissenschaft heißt das: Beschreiben wir hier eine bestehende Gruppe? Oder schaffen wir sie erst, indem wir sie als solche untersuchen? Und wer fällt aus den Blickfeld? Ägyptische Kopten, türkische Christen und Juden, aber auch katholische Italiener und Spanier haben oft ähnliche Probleme wie Muslime. Sie werden nur nicht so stark wahr genommen - dafür werden sie aber auch nicht mit solchen Stereotypen belegt.
Welche Folgen hat die einseitige Ausrichtung solcher Studien?
Riem Spielhaus: Zunehmend verweigern sich Muslime solchen Umfragen und Studien, so dass Forscher schon von „research fatigue“, von Forschungsmüdigkeit sprechen. Viele Befragte haben ja die Hoffnung, Gehör zu finden, wenn sie sich an solchen Studien beteiligen. Aber wenn diese Erwartung immer wieder enttäuscht wird, weil die Ergebnisse entstellt werden, entziehen sie sich.
Am Ende der Studie haben die Autoren Empfehlungen an die Politik verfasst, die Friedrich kaum gefallen haben dürften. Sie kommen zu dem Schluss, dass Kopftuch- und Minarettverbote nur den Radikalen nützen und plädieren dafür, Einwanderern die doppelte Staatsbürgerschaft und mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Ist das falsch?
Riem Spielhaus: Nein, die Forscher sind sehr pragmatisch. Sie versuchen, den sicherheitspolitischen Blick positiv zu wenden und sagen, dass eine Radikalisierung durch mehr Integration verhindert werden kann. Aber gleiche Rechte für Einwanderer sollten keine Belohnung für Wohlverhalten, sondern ein Wert an sich sein.
Research Interests:
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The paper describes the landscape of mosques in the German capital Berlin. It thereby suggests a typology for urban mosques. Berlin's 84 Islamic prayer rooms can be characterized as neighborhood mosques, disctrict mosques and city mosques... more
The paper describes the landscape of mosques in the German capital Berlin. It thereby suggests a typology for urban mosques. Berlin's 84 Islamic prayer rooms can be characterized as neighborhood mosques, disctrict mosques and city mosques depending on whether they are well connected within the neighborhood, serving the communities within a disctrict or a minority community within the city (for instance religious like the Ahmadiyya, or ethnic like the Bosnian or a combination like the Turksih Shi'i commuity).
Research Interests:
I maj 2010 åbnede den tyske forbundsminister for interne anliggende den anden omgang af den tyske islamkonference, der er blevet præsenteret som en langsigtet "dialog med muslimer i Tyskland." På foranledning af ministeriet mødtes... more
I maj 2010 åbnede den tyske forbundsminister for interne anliggende den anden omgang af den tyske islamkonference, der er blevet præsenteret som en langsigtet "dialog med muslimer i Tyskland." På foranledning af ministeriet mødtes repræsentanter fra kommunerne, fra delstatsregeringer og fra forbundsregeringen med repræsentanter fra islamiske organisationer og med individer der taler på vegne af muslimer i bredere forstand. I begyndelsen af den anden fase af konferencen, ligesom da den tidligere forbundsminister Wolfgang Schäuble begyndte forhandlingerne med Tyslands muslimer, var der kontroverser allerede om spørgsmålet om hvem der skulle inviteres til at deltage. Den tyske forbundsregering roste Wolfgang Schäuble for sit forsæt om at diskutere de akutte problemer i islams integration i dialog med muslimer og disses repræsentanter, men Schäuble blev også rost for sine kategoriske udtalelser som "islam er en del af Tyskland" og "muslimer er velkomne i Tyskland". Ikke desto mindre blev ministeriets endelige udpegning af 15 personer blandt både organiserede og ikke-organiserede - heriblandt flere højrøstede islamkritikere - mødt med bestyrtelse.
Research Interests:
This article focuses on the ways in which Muslims actively participate in media debates about Islam and Muslims in Germany, and how they challenge or reinforce representations of themselves. It questions the narrative of powerlessness... more
This article focuses on the ways in which Muslims actively participate in media debates about Islam and Muslims in Germany, and how they challenge or reinforce representations of themselves. It questions the narrative of powerlessness versus dominant actors in media and politics. Even though they were already perceived as part of a Muslim community, several prominent individuals in the German cultural and political sphere took an explicit position as Muslims—some insisting on their distance to religion. This paper aims at describing the various reasons and reflections accompanying this decision and argues that media images of Muslims steered individuals, who are not members of Islamic organizations let alone representatives of them, to become active or change their self-representation and act as Muslims. By demanding recognition as active members of German society, prominent Muslim individuals are creating new images of Muslims beyond an imaginary that is reducing them to their (alleged) religiosity and positioning them outside German national identity.
Research Interests:
Representing interests with one voice: The ›headscarf debate‹ as an impulse for the institutionalisation of Islam in Germany. In a complex process the German headscarf debate on the ban of headscarfs for teachers in public schools has... more
Representing interests with one voice: The ›headscarf debate‹ as an impulse for the institutionalisation of Islam in Germany.
In a complex process the German headscarf debate on the ban of headscarfs for teachers in public schools has led to both more visibility and participation of Muslim women in German political debates. However, female activists from within Islamic organisations and communities are still rarely acknowledged as representantives of Muslim women in public debates while female critics of Islam and male functionaires dominate the discourse. A silent debate is fought on the question whether Muslim women can be feminists.
Apart from the subjectivation of female Muslims in the German debate the main argument of this articel is, that the headscarf debate gave the tipping point to motivate Islamic associations with diverse backgrounds to come, speak and act together. An impulse that paved the way for a decisive step in institutionalising Islam: uniting the four major umbrella organisations in the Coordination Council of Muslims in Germany (Koordinationsrat der Muslime in Deutschland).
Inthat way charged debates on presence and visibility of Muslims in Europe and the standardisation of sexuality set the stage for a communalization beyond linguistic, religious and ethnic boundaries.
In a complex process the German headscarf debate on the ban of headscarfs for teachers in public schools has led to both more visibility and participation of Muslim women in German political debates. However, female activists from within Islamic organisations and communities are still rarely acknowledged as representantives of Muslim women in public debates while female critics of Islam and male functionaires dominate the discourse. A silent debate is fought on the question whether Muslim women can be feminists.
Apart from the subjectivation of female Muslims in the German debate the main argument of this articel is, that the headscarf debate gave the tipping point to motivate Islamic associations with diverse backgrounds to come, speak and act together. An impulse that paved the way for a decisive step in institutionalising Islam: uniting the four major umbrella organisations in the Coordination Council of Muslims in Germany (Koordinationsrat der Muslime in Deutschland).
Inthat way charged debates on presence and visibility of Muslims in Europe and the standardisation of sexuality set the stage for a communalization beyond linguistic, religious and ethnic boundaries.
Research Interests:
After decades in which immigrants’ religion was unimportant, discussions on Muslims in Germany are now focusing on religious identity. This coincides with the construction of a unified Muslim community that does not actually exist. Such a... more
After decades in which immigrants’ religion was unimportant, discussions on Muslims in Germany are now focusing on religious identity. This coincides with the construction of a unified Muslim community that does not actually exist. Such a construction ignores ethnic, religious and cultural differences between Muslims and separates them from the majority.
Research Interests:
By looking at the political representation of Islamic actors in the city of Berlin this paper argues that the dominant notion of 'Muslim community' is one of a group of shared political interest rather than one of a group that shares... more
By looking at the political representation of Islamic actors in the city of Berlin this paper argues that the dominant notion of 'Muslim community' is one of a group of shared political interest rather than one of a group that shares religious praxis. Muslims from different national and religious understandings, who meet in political discussions or formal communication settings, might build and find long term, implicit or overt alliances and still insist on seperation in their religious praxis.
The ‘discovery’ of Muslims in western Europe through public discourse has led to an academic trend of focussing on Muslims. Academics are confronted with a tremendous demand for information about Muslims and at the same time financial resources opened for researches in this field. The risk here is constructing Muslims as a coherent group by ignoring the common characteristics that some of them share with other groups. It seems to be very difficult to find research designs that are able to circumvent the danger of either devaluating the term 'Muslim' or stereotyping Muslim populations. The latter happens when causes for any action of a Muslim within his or her religious background are searched foremost and only in their religiosity.
Muslim communities in Germany are not always immigrant communities; though most people with a Muslim affiliation do have roots outside this country. Muslim individuals might not live in one but in several communities and subgroups of society simultaneously. Moreover, they might share identities as well as characteristics and problems in everyday life with other groups, be it because of similarities in their social, economic, or educational status, because of sharing living space in the urban quarters they live in or the political vision they have in common. Researches aiming to answer questions of broader social significance, not strictly tight to the ethnic or religious specificity but using frames that focus on a religious or ethnic category run the danger of perpetuating the research question and in the meantime contributing to the construction of the very group they are studying. Especially, when the group identified with this category is already under suspicion of being different, strange and a threat.
The ‘discovery’ of Muslims in western Europe through public discourse has led to an academic trend of focussing on Muslims. Academics are confronted with a tremendous demand for information about Muslims and at the same time financial resources opened for researches in this field. The risk here is constructing Muslims as a coherent group by ignoring the common characteristics that some of them share with other groups. It seems to be very difficult to find research designs that are able to circumvent the danger of either devaluating the term 'Muslim' or stereotyping Muslim populations. The latter happens when causes for any action of a Muslim within his or her religious background are searched foremost and only in their religiosity.
Muslim communities in Germany are not always immigrant communities; though most people with a Muslim affiliation do have roots outside this country. Muslim individuals might not live in one but in several communities and subgroups of society simultaneously. Moreover, they might share identities as well as characteristics and problems in everyday life with other groups, be it because of similarities in their social, economic, or educational status, because of sharing living space in the urban quarters they live in or the political vision they have in common. Researches aiming to answer questions of broader social significance, not strictly tight to the ethnic or religious specificity but using frames that focus on a religious or ethnic category run the danger of perpetuating the research question and in the meantime contributing to the construction of the very group they are studying. Especially, when the group identified with this category is already under suspicion of being different, strange and a threat.
Research Interests:
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Ein Blick in die Forschungsliteratur zeigt allerdings, dass die ersten vorwiegend qualitativen Forschungen zur Religiosität von Musliminnen und Muslimen aus den späten 1990er Jahren bereits Beschreibungen individueller Entwicklungen, die... more
Ein Blick in die Forschungsliteratur zeigt allerdings, dass die ersten vorwiegend qualitativen Forschungen zur Religiosität von Musliminnen und Muslimen aus den späten 1990er Jahren bereits Beschreibungen individueller Entwicklungen, die die Ausformung eines religiösen Selbstverständnisses in Reaktion auf die vorherige Anrufung entweder als Muslime oder als Experten für Islam vor allem im schulischen Umfeld präsentierten . Auch wenn der Aspekt der reaktiven Religiosität aufgrund vorheriger Zuschreibungen in den Analysen dieser Arbeiten keine Rolle spielte, bieten sie einerseits die Grundlage für eine nachträgliche Auswertung und zeigen andererseits, dass dieses Phänomen keineswegs neu ist. In den folgenden Ausführungen werden daher einige der bisher in Forschungsveröffentlichungen dokumentierten Fallbeispiele zusammengetragen und vor dem Hintergrund eines zunehmenden Interesses am Bedeutungszuwachs muslimischer Identitäten ausgewertet.
Muslime ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund sowie als nicht-deutsch aussehend, sprechend oder heißend Markierte erleben immer wieder, nicht als selbstverständlich dazugehörend oder sogar als selbstverständlich nicht dazugehörend behandelt zu werden.
Schulische Arbeitsaufträge, Mediendarstellungen und politische Debatten drängen Individuen muslimischen Hintergrunds und Glaubens gleichermaßen in eine Verteidigungshaltung und stärken ihre Identifikation mit anderen Muslimen in Deutschland.
Wenn dabei eine Solidargemeinschaft entsteht, dann zieht sie ihren Zusammenhalt weniger aus gemeinsamer Praxis oder geteilten Auffassungen sondern vor allem aus der Wahrnehmung der Ausgrenzung.
Durch äußere Projektionen wird ein Prozess der verstärkten Auseinandersetzung mit religiösen Themen, Selbst- und Gruppenidentifikation in Gang gesetzt, der zu einem islamischen Bewusstsein führt, das nicht an Religiosität oder Glauben, sondern eher an Erfahrungen von Diskriminierung und Entfremdung gebunden ist.
Muslime ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund sowie als nicht-deutsch aussehend, sprechend oder heißend Markierte erleben immer wieder, nicht als selbstverständlich dazugehörend oder sogar als selbstverständlich nicht dazugehörend behandelt zu werden.
Schulische Arbeitsaufträge, Mediendarstellungen und politische Debatten drängen Individuen muslimischen Hintergrunds und Glaubens gleichermaßen in eine Verteidigungshaltung und stärken ihre Identifikation mit anderen Muslimen in Deutschland.
Wenn dabei eine Solidargemeinschaft entsteht, dann zieht sie ihren Zusammenhalt weniger aus gemeinsamer Praxis oder geteilten Auffassungen sondern vor allem aus der Wahrnehmung der Ausgrenzung.
Durch äußere Projektionen wird ein Prozess der verstärkten Auseinandersetzung mit religiösen Themen, Selbst- und Gruppenidentifikation in Gang gesetzt, der zu einem islamischen Bewusstsein führt, das nicht an Religiosität oder Glauben, sondern eher an Erfahrungen von Diskriminierung und Entfremdung gebunden ist.
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This paper aims to shed light on how Muslim women in contemporary Western Europe – with special reference to Germany – discuss and act upon Gender differences in religious authority, political representation and community building. The... more
This paper aims to shed light on how Muslim women in contemporary Western Europe – with special reference to Germany – discuss and act upon Gender differences in religious authority, political representation and community building. The current situation, here, is characterized by migration, the status of an unsettled minority and thus various initiatives for institutionalisation of Islam in the country. Consequently, Muslims in Germany are not only struggling with changes in structures of Islamic authority but merely trying to come up with basic structures in the fields of community organisation, religious practice, religious instruction, and knowledge production. The absence of historically grown institutions presents itself as ambivalent. On the one hand knowledge production and diffusion are rather underdeveloped and largely influenced by trans-national contexts, on the other hand there are no established or even outdated structures to be overcome. This enables women to take an active role in shaping the Islamic religious sphere in Germany.
This paper argues, that the struggle for recognition of female religious authority and leadership can only be fully understood when approached holistic and therefore includes the various aspects of female activism and scholarship. Muslim women’s engagement in Islamic organizations and communities takes a number of different forms: as board members of Islamic organizations; development of curriculum materials for education in mosques and Islamic instruction in state schools, and teaching in mosques and women’s centers; Qur’an hermeneutics; crisis intervention in women’s shelters, provision of crisis therapy in mosques and women’s centers, and private initiatives to rescue women in difficult situations or provide family aid; interreligious dialogue last but not least representation of Muslim communities in the media, public debates and towards the state. The activities of a female Muslim leader in Western Europe, hence, range from religious activism for better living conditions for women and families in Muslim communities and beyond, to engagement in decision-making and exercising religious expertise.
As an example the paper presents a discussion about the legitimacy and impact of interpretations of the Qur’an verse 4:34 by women and men and the implementation of these hermeneutics among Muslim women from different women’s initiatives in Germany. A leading voice in this field is the Centre for Islamic Women’s Studies and Support as a place that struggles to unite Qur’an hermeneutics and helping Muslim women. Here, the engagement against domestic violence appears to be the direct result of hermeneutical work with religious sources and in view of that informs the reading of Islamic texts. This work is rarely recognized by Islamic organizations, Muslim men and not even Muslim women and not even by feminist groups but by political foundations and other religious groups. This means that especially those groups were the members of the centre feel closest to in religious respect, hold back with their recognition. Recognition for the work of Muslim women’s Qur’an hermeneutics indeed comes from Jewish and Christian lay persons who are engaged in similar endeavors.
Seeking recognition from governments, administrations and political parties on the other hand can present itself as ambivalent. As Gökce Yurdakul and Anna Korteweg have so strikingly demonstrated, political motions for Muslim women’s rights in Western European politics not only serve these women’s cause but are too often drawn upon in order to legitimate tighter migration laws. Muslim women therefore have to walk a thin line when looking for coalitions in European societies.
This paper argues, that the struggle for recognition of female religious authority and leadership can only be fully understood when approached holistic and therefore includes the various aspects of female activism and scholarship. Muslim women’s engagement in Islamic organizations and communities takes a number of different forms: as board members of Islamic organizations; development of curriculum materials for education in mosques and Islamic instruction in state schools, and teaching in mosques and women’s centers; Qur’an hermeneutics; crisis intervention in women’s shelters, provision of crisis therapy in mosques and women’s centers, and private initiatives to rescue women in difficult situations or provide family aid; interreligious dialogue last but not least representation of Muslim communities in the media, public debates and towards the state. The activities of a female Muslim leader in Western Europe, hence, range from religious activism for better living conditions for women and families in Muslim communities and beyond, to engagement in decision-making and exercising religious expertise.
As an example the paper presents a discussion about the legitimacy and impact of interpretations of the Qur’an verse 4:34 by women and men and the implementation of these hermeneutics among Muslim women from different women’s initiatives in Germany. A leading voice in this field is the Centre for Islamic Women’s Studies and Support as a place that struggles to unite Qur’an hermeneutics and helping Muslim women. Here, the engagement against domestic violence appears to be the direct result of hermeneutical work with religious sources and in view of that informs the reading of Islamic texts. This work is rarely recognized by Islamic organizations, Muslim men and not even Muslim women and not even by feminist groups but by political foundations and other religious groups. This means that especially those groups were the members of the centre feel closest to in religious respect, hold back with their recognition. Recognition for the work of Muslim women’s Qur’an hermeneutics indeed comes from Jewish and Christian lay persons who are engaged in similar endeavors.
Seeking recognition from governments, administrations and political parties on the other hand can present itself as ambivalent. As Gökce Yurdakul and Anna Korteweg have so strikingly demonstrated, political motions for Muslim women’s rights in Western European politics not only serve these women’s cause but are too often drawn upon in order to legitimate tighter migration laws. Muslim women therefore have to walk a thin line when looking for coalitions in European societies.
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In 1993, the Swedish researcher of religion, Ake Sander, presented a paper that was published later on under the title "To what extent are the Swedish Muslims religious?”. In this paper -similarly to one published by Mark Braun in 2000 -... more
In 1993, the Swedish researcher of religion, Ake Sander, presented a paper that was published later on under the title "To what extent are the Swedish Muslims religious?”. In this paper -similarly to one published by Mark Braun in 2000 - he pointed out how difficult it became to trace religiosity while more and more Muslims were acquiring European citizenships and hence were not traceable by national affiliation any longer. These papers are perhaps the most outspoken documents of the praxis of equating national, ethnic and religious affiliation.
During the last decade the category 'Muslim' had a great career and nearly replaced the 'immigrant' Not only in public discourse but also in Social Sciences. Muslims became, so to say, the case study for both debates and researches on religious affiliation of immigrants in Europe. Especially in the field of quantitative surveys, political discourse has been inscribed into knowledge production. This paper is, however, not only documenting the success of 'the Muslim' as a research category, but also analyzing the ways, in which Muslims are imagined in sampling Methods as well as in sequencing the Questions. The Basis is a collection of quantitative surveys and opinion polls with Muslims as the key respondents in eight Western European countries (France, Germany, Denmark, Great Britain, Norway, Sweden, the Netherlands and Spain). Special emphasis will be put on the operationalization of religiosity.
Surveys among Muslims measure diverging items in order to evaluate the intensity and centrality of religious affiliation of individuals and groups. Generally speaking, we can notice two distinct approaches, the focus on visible traits of religious practice on the one side and the ascertainment of a variety of dimensions of faith and believe on the other side. Another element common to most surveys we analyzed so far is the interest in religious subcategories like the Sunni-Shi'i-divide. Interestingly though, this aspect of identity and religious practice according to a considerable amount of respondents does not play a crucial role, as high proportions up to a quarter of the samples answering "don't know" or "no answer" on the question which of the given denominations they belong to are indicating. Nevertheless, the differentiation is then highlighted quite central in the data-analysis. Hence, a closer examination of the subcategories that are used to categorize Muslims seems indicated and will be provided in this paper.
During the last decade the category 'Muslim' had a great career and nearly replaced the 'immigrant' Not only in public discourse but also in Social Sciences. Muslims became, so to say, the case study for both debates and researches on religious affiliation of immigrants in Europe. Especially in the field of quantitative surveys, political discourse has been inscribed into knowledge production. This paper is, however, not only documenting the success of 'the Muslim' as a research category, but also analyzing the ways, in which Muslims are imagined in sampling Methods as well as in sequencing the Questions. The Basis is a collection of quantitative surveys and opinion polls with Muslims as the key respondents in eight Western European countries (France, Germany, Denmark, Great Britain, Norway, Sweden, the Netherlands and Spain). Special emphasis will be put on the operationalization of religiosity.
Surveys among Muslims measure diverging items in order to evaluate the intensity and centrality of religious affiliation of individuals and groups. Generally speaking, we can notice two distinct approaches, the focus on visible traits of religious practice on the one side and the ascertainment of a variety of dimensions of faith and believe on the other side. Another element common to most surveys we analyzed so far is the interest in religious subcategories like the Sunni-Shi'i-divide. Interestingly though, this aspect of identity and religious practice according to a considerable amount of respondents does not play a crucial role, as high proportions up to a quarter of the samples answering "don't know" or "no answer" on the question which of the given denominations they belong to are indicating. Nevertheless, the differentiation is then highlighted quite central in the data-analysis. Hence, a closer examination of the subcategories that are used to categorize Muslims seems indicated and will be provided in this paper.
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"Leave the church in the village and the mosque in Istanbul" this was the title of a flyer that was circulated in a northern neighborhood of East Berlin where in 2007 an Islamic community had started to build a mosque. Concerned citizen... more
"Leave the church in the village and the mosque in Istanbul" this was the title of a flyer that was circulated in a northern neighborhood of East Berlin where in 2007 an Islamic community had started to build a mosque. Concerned citizen of the district came to a crowded town hall meeting stating "we don't mind mosques in West-Berlin but do not want them in our neighborhood" or "We don't want Kreuzberg conditions" expressing their concerns with the establishment of a Muslim community in their midst. The conflict over the first mosque building in former East Berlin started. A look on Berlin's map of Islamic prayer rooms and their history provides and understanding of a city that is still divided into East and West. The talk, however, will go beyond the controversy and tell the story of a neighborhood that felt neglected by the city administration. In the end, issues of the inhabitants were addressed and the mosque was built. The first and only purpose built mosque on the territory of the former GDR.
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"Leave the church in the village and the mosque in Istanbul" this was the title of a flyer that was circulated in a northern neighborhood of East Berlin where in 2007 an Islamic community had started to build a mosque. Concerned citizen... more
"Leave the church in the village and the mosque in Istanbul" this was the title of a flyer that was circulated in a northern neighborhood of East Berlin where in 2007 an Islamic community had started to build a mosque. Concerned citizen of the district came to a crowded town hall meeting stating "we don't mind mosques in West-Berlin but do not want them in our neighborhood" or "We don't want Kreuzberg conditions" expressing their concerns with the establishment of a Muslim community in their midst. The conflict over the first mosque building in former East Berlin started. A look on Berlin's map of Islamic prayer rooms and their history provides and understanding of a city that is still divided into East and West. The talk, however, will go beyond the controversy and tell the story of a neighborhood that felt neglected by the city administration. In the end, issues of the inhabitants were addressed and the mosque was built. The first and only purpose built mosque on the territory of the former GDR.
Gender segregation has been described as a hindrance for women's access to public spaces and religious knowledge. This paper, however, is looking at the opportunities gendered spaces provide for the development of female leaders in fields... more
Gender segregation has been described as a hindrance for women's access to public spaces and religious knowledge. This paper, however, is looking at the opportunities gendered spaces provide for the development of female leaders in fields of production and transmission of religious Islamic knowledge. On the basis of research in German mosques, Islamic representational bodies and Muslim women's initiatives I will argue that gender separation may have exclusive effects but can also open spaces for the development of female religious authorities and distinct female practices of religion. While male authorities often dominate both gendered spheres, the creation of women's sections can be a vehicle for women to become indispensable transmitters of knowledge. However, while male authorities are present in the women's sections, cases of acknowledgement for female leaders in male spheres are rare.
This paper explicates different strategies women employ to achieve positions for leadership and participation in both religious practice and community life. In contrast to other contexts, Muslim women in Germany are not only struggling with changes in structures of Islamic authority but, merely, trying to come up with basic structures in the fields of community organisation, religious practice, religious instruction, and knowledge production. The absence of historically grown institutions presents itself as ambivalent. On the one hand, knowledge production and diffusion are hardly institutionalised and largely influenced by trans-national contexts. On the other hand, there are no established or even 'outdated' structures to be overcome. This enables women to take an active role in shaping the Islamic religious sphere in Germany.
This paper portrays three different structural approaches to enforce women's objectives: 1. gender segregated spaces and structures in mixed gender organisations, 2. integration and equality in mixed gender organisations which includes access to resources and decision making by both women and men of the congregation, 3. exclusive organisations for Muslim women with structure, space and decision making in the hands of women. The description of these strategies enables us to address not only the questions of how women use public space in Germany's mosques and teaching institutions but also what public space actually signifies in this context.
This paper explicates different strategies women employ to achieve positions for leadership and participation in both religious practice and community life. In contrast to other contexts, Muslim women in Germany are not only struggling with changes in structures of Islamic authority but, merely, trying to come up with basic structures in the fields of community organisation, religious practice, religious instruction, and knowledge production. The absence of historically grown institutions presents itself as ambivalent. On the one hand, knowledge production and diffusion are hardly institutionalised and largely influenced by trans-national contexts. On the other hand, there are no established or even 'outdated' structures to be overcome. This enables women to take an active role in shaping the Islamic religious sphere in Germany.
This paper portrays three different structural approaches to enforce women's objectives: 1. gender segregated spaces and structures in mixed gender organisations, 2. integration and equality in mixed gender organisations which includes access to resources and decision making by both women and men of the congregation, 3. exclusive organisations for Muslim women with structure, space and decision making in the hands of women. The description of these strategies enables us to address not only the questions of how women use public space in Germany's mosques and teaching institutions but also what public space actually signifies in this context.
"The Muslim subject is much in demand – as a topic of numerous media representations and (popular) scientific publications as well as a protagonist in the field of German security and integration policy. But where is this subject coming... more
"The Muslim subject is much in demand – as a topic of numerous media representations and (popular) scientific publications as well as a protagonist in the field of German security and integration policy. But where is this subject coming from so abruptly, what are its characteristics, and where does it actually belong? With a critical eye, sharpened on Michel Foucault's concept of governmentality and Judith Butler's theory of subjectivation, respectively, the sociologist and political scientist Levent Tezcan and the Islamic studies scholar Riem Spielhaus each pursue these questions. While Tezcan, in his essayistic piece of 2012, Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz exposes the current German Islam policy – in its form of a governmental 'Cultural Dialogue' – as a strategic population policy, Spielhaus' empirical study Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung – published in 2011 – focuses on the ambivalences emerging in the process of Muslim subjectivation and collectivization.
Review in German language"
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Das muslimische Subjekt ist begehrt – als Gegenstand zahlreicher Mediendarstellungen und (populär-)wissenschaftlicher Publikationen ebenso wie als Akteur im Feld deutscher Sicherheits- und Integrationspolitik. Doch wo kommt dieses Subjekt... more
Das muslimische Subjekt ist begehrt – als Gegenstand zahlreicher Mediendarstellungen und (populär-)wissenschaftlicher Publikationen ebenso wie als Akteur im Feld deutscher Sicherheits- und Integrationspolitik. Doch wo kommt dieses Subjekt so plötzlich her, was macht es aus und wo gehört es eigentlich hin? Mit einem kritischen, an Michel Foucaults Gouvernementalitätskonzept respektive Judith Butlers Subjektivationstheorie geschärften Blick gehen der Soziologe und Politikwissenschaftler Levent Tezcan und die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus diesen Fragen jeweils nach. Während Tezcan in seiner 2012 erschienenen essayistischen Abhandlung Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz die gegenwärtige deutsche Islampolitik in ihrer Form eines gouvernementalen 'Kulturdialogs' als strategische Bevölkerungspolitik herausstellt, fokussiert Spielhaus in ihrer 2011 veröffentlichten empirischen Studie Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung die Ambivalenzen, die in dem Prozess muslimischer Subjektivierung und Vergemeinschaftung hervortreten. "
"Wie wurden all diese Personen des öffentlichen Lebens, aber auch andere Migranten und Nachkommen von Migranten plötzlich zu Muslimen, auch wenn Spiritualität keine tragende Rolle für sie spielt? Wie konnte Religion zu einem derart... more
"Wie wurden all diese Personen des öffentlichen Lebens, aber auch andere Migranten und Nachkommen von Migranten plötzlich zu Muslimen, auch wenn Spiritualität keine tragende Rolle für sie spielt? Wie konnte Religion zu einem derart wichtigen Unterscheidungskriterium werden, fragt die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus. Anders als von medialen Schreihälsen mitunter behauptet, sieht sie die Gründe hierfür nicht in dem Aufbrechen einer tiefsitzenden Prägung. Genauso widerlegt ihre Analyse Deutungen, in denen das Motiv der Profilierungssucht mitschwingt. Ihr zufolge sind Muslime nicht einfach Muslime, sondern werden auch zu solchen gemacht. „Es ist das Ringen um die eigene Deutungsmacht darüber, was es heißt, Muslim zu sein. Es ist das Bedürfnis, die Definition dessen weder extremistischen Gewalttätern noch deutschen Medien zu überlassen“, schreibt sie in ihrem Buch.
Sie hat die Entstehung islamischer Verbände in Hamburg untersucht und über Jahre hinweg die deutsche Islam-Debatte und deren Protagonisten begleitet, auch durch Interviews. Sorgfältig enthüllt sie den Prozess, der zu der beobachteten Perspektivverschiebung führt. Da soziale Konflikte in Deutschland zunehmend als Glaubenskonflikte wahrgenommen und in religiösen Mustern gedeutet werden, bleibt demnach den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich zu positionieren: Sie wollen das Bild von Muslimen korrigieren, den Extremen andere Möglichkeiten zur Seite stellen, muslimisch zu sein. Sie wollen zeigen, „dass nicht nur diejenigen, die sich über den Islam definieren und inszenieren, Muslime sind, sondern dass es auch andere Wege gibt, mit seiner muslimischen Religiosität umzugehen“.
Was macht einen Muslim zum Muslim
Für und über Muslime öffentlich zu sprechen war eine Entscheidung, die sie gegenüber Spielhaus als selbstgewählt beschreiben - deuten aber auch den gesellschaftlichen Druck an, sich zu positionieren. In dem Maße, wie die Anfeindungen wachsen, wächst auch die Hinwendung zur Auseinandersetzung mit der Religion. „Es ist in der Tat so, dass ich stärker als Teil dieses Kollektivs ,Islam’ agiere. Weil ich zum Teil dieses Kollektivs gemacht werde. Und zwar völlig unabhängig von spirituellen Gründen“, sagte etwa Navid Kermani in einem Interview mit der Islamwissenschaftlerin.
Sie kann nicht in einem abschließenden Sinn beantworten, wer in Deutschland Muslim ist. Ein Gemeinschaftsbewusstsein, dass diese oder gar alle Menschen aus muslimischen Ländern prägt, sei nicht feststellbar. Was Muslimsein in Deutschland bedeutet, auch das wird deutlich, steht jedoch nicht im Koran und kann genauso wenig von islamischen Gelehrten und Organisationen beantwortet werden. Denn Muslime in Deutschland sind kein homogenes Gebilde, als das sie oft vorgestellt werden.
Sie sind vergleichbar mit einem Mosaik, dessen Muster und Farben gerade ausgehandelt werden. Spielhaus sieht darin eine Chance, die es zu nutzen gilt: „Der Paradigmenwechsel stellt vor allem neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einflussnahme am Diskurs zur Verfügung.“ Ihr Buch beweist, dass es falsch ist, nur jene Muslime als mutig zu bezeichnen, die sich in die Reihe der Vorurteilsträger einreihen.
"
Sie hat die Entstehung islamischer Verbände in Hamburg untersucht und über Jahre hinweg die deutsche Islam-Debatte und deren Protagonisten begleitet, auch durch Interviews. Sorgfältig enthüllt sie den Prozess, der zu der beobachteten Perspektivverschiebung führt. Da soziale Konflikte in Deutschland zunehmend als Glaubenskonflikte wahrgenommen und in religiösen Mustern gedeutet werden, bleibt demnach den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich zu positionieren: Sie wollen das Bild von Muslimen korrigieren, den Extremen andere Möglichkeiten zur Seite stellen, muslimisch zu sein. Sie wollen zeigen, „dass nicht nur diejenigen, die sich über den Islam definieren und inszenieren, Muslime sind, sondern dass es auch andere Wege gibt, mit seiner muslimischen Religiosität umzugehen“.
Was macht einen Muslim zum Muslim
Für und über Muslime öffentlich zu sprechen war eine Entscheidung, die sie gegenüber Spielhaus als selbstgewählt beschreiben - deuten aber auch den gesellschaftlichen Druck an, sich zu positionieren. In dem Maße, wie die Anfeindungen wachsen, wächst auch die Hinwendung zur Auseinandersetzung mit der Religion. „Es ist in der Tat so, dass ich stärker als Teil dieses Kollektivs ,Islam’ agiere. Weil ich zum Teil dieses Kollektivs gemacht werde. Und zwar völlig unabhängig von spirituellen Gründen“, sagte etwa Navid Kermani in einem Interview mit der Islamwissenschaftlerin.
Sie kann nicht in einem abschließenden Sinn beantworten, wer in Deutschland Muslim ist. Ein Gemeinschaftsbewusstsein, dass diese oder gar alle Menschen aus muslimischen Ländern prägt, sei nicht feststellbar. Was Muslimsein in Deutschland bedeutet, auch das wird deutlich, steht jedoch nicht im Koran und kann genauso wenig von islamischen Gelehrten und Organisationen beantwortet werden. Denn Muslime in Deutschland sind kein homogenes Gebilde, als das sie oft vorgestellt werden.
Sie sind vergleichbar mit einem Mosaik, dessen Muster und Farben gerade ausgehandelt werden. Spielhaus sieht darin eine Chance, die es zu nutzen gilt: „Der Paradigmenwechsel stellt vor allem neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Einflussnahme am Diskurs zur Verfügung.“ Ihr Buch beweist, dass es falsch ist, nur jene Muslime als mutig zu bezeichnen, die sich in die Reihe der Vorurteilsträger einreihen.
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Spätestens seit dem 11. September 2001 stehen Muslime in Deutschland – wie auch in vielen anderen westlichen Staaten – unter öffentlicher Dauerbeobachtung. Kaum ein Tag vergeht, indem nicht irgendein Ereignis in der Welt als Anlass... more
Spätestens seit dem 11. September 2001 stehen Muslime in Deutschland – wie auch in vielen anderen westlichen Staaten – unter öffentlicher Dauerbeobachtung. Kaum ein Tag vergeht, indem nicht irgendein Ereignis in der Welt als Anlass genommen wird, um Muslime öffentlich oder auch im privaten Gespräch aufzufordern, dazu Stellung zu nehmen. Wie aber wirkt sich das auf die als Muslime adressierten Menschen aus? Riem Spielhaus ist dieser Frage in ihrer Dissertation nachgegangen, indem sie davon betroffene Menschen gefragt hat, wie sie auf die Zumutung anhaltender öffentlicher Thematisierung reagieren.
Doch wer gehört eigentlich zu „den Muslimen“? Wer kann beanspruchen, für „die“ Muslime zu sprechen und in welchen Angelegenheiten? Die Mehrheitsgesellschaft hat darauf simple Antworten parat: Alle, die aus muslimisch geprägten Ländern kommen, sind Muslime. Diese sollten sich auch möglichst rasch auf eine gemeinsame Vertretung einigen, damit der deutsche Staat einen Verhandlungspartner hat. Solche Antworten täuschen eine Homogenität mithilfe kategorischer Simplifizierungen und einem radikalen Reduktionismus vor, indem „die“ Anderen auf „ihre“ Religion als bestimmendes Identifikationsmerkmal festlegt werden. Alleine darin liegt bereits ein gewaltträchtiges Moment. So wird dies auch von vielen der so Etikettierten empfunden. Das ist ein Ergebnis der Untersuchung, bei der Spielhaus Interviews mit Protagonisten des muslimischen Lebens in Deutschland geführt hat, also mit Menschen, die in der politischen und medialen Debatte präsent sind und dort als Muslime wahrgenommen werden. Darüberhinaus hat sie einschlägige Texte in vier überregionalen Tageszeitungen über einen Zeitraum von vier Jahren analysiert sowie eigene Beobachtungen bei verschiedenen Veranstaltungen ausgewertet.
Doch wer gehört eigentlich zu „den Muslimen“? Wer kann beanspruchen, für „die“ Muslime zu sprechen und in welchen Angelegenheiten? Die Mehrheitsgesellschaft hat darauf simple Antworten parat: Alle, die aus muslimisch geprägten Ländern kommen, sind Muslime. Diese sollten sich auch möglichst rasch auf eine gemeinsame Vertretung einigen, damit der deutsche Staat einen Verhandlungspartner hat. Solche Antworten täuschen eine Homogenität mithilfe kategorischer Simplifizierungen und einem radikalen Reduktionismus vor, indem „die“ Anderen auf „ihre“ Religion als bestimmendes Identifikationsmerkmal festlegt werden. Alleine darin liegt bereits ein gewaltträchtiges Moment. So wird dies auch von vielen der so Etikettierten empfunden. Das ist ein Ergebnis der Untersuchung, bei der Spielhaus Interviews mit Protagonisten des muslimischen Lebens in Deutschland geführt hat, also mit Menschen, die in der politischen und medialen Debatte präsent sind und dort als Muslime wahrgenommen werden. Darüberhinaus hat sie einschlägige Texte in vier überregionalen Tageszeitungen über einen Zeitraum von vier Jahren analysiert sowie eigene Beobachtungen bei verschiedenen Veranstaltungen ausgewertet.
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With Global Islamophobia, George Morgan and Scott Poynting present an edited volume that sheds light on a variety of anti-Muslim tendencies in different national and local settings. It departs from the definition that moral panics ebb and... more
With Global Islamophobia, George Morgan and Scott Poynting present an edited volume that sheds light on a variety of anti-Muslim tendencies in different national and local settings. It departs from the definition that moral panics ebb and flow but typically leave long-standing institutional changes that continue to negatively affect the marginalized and can be triggered by relatively minor and local incidents that come to stand for something much larger. One of the key features of moral panics is the creation of folk devils: individuals or groups of persons who are identified as deviant types posing a major threat to the moral fabric of a society. They are portrayed in highly stereotypical and negative ways, stripped of any favorable or neutral characteristics, demonized and presented as having nothing at all in common with the ‘moral majority’. Furthermore, the legislative and law enforcers “are expected to detect, apprehend and punish the folk devils” (p. 85) and to secure the code of conduct of the state.
[...]
The collection of case studies presented in this volume is truly impressive, above all because they reveal similarities in local moral panics despite their different national, legal and historical contexts. However, several ‘Western’ countries are chosen to represent the globe in this particular understanding of global Islamophobia. But if Islamophobic moral panics were confined to Western nation states, could we then still call them global? How about anti-Muslim sentiments in other parts of the globe, in non-Western nation states with Muslim minorities in Asia, Africa or Latin America or even in Muslim majority countries? Can we assume that these tensions do occur only within the so-called West? An edited volume from 2010 with examples from Thailand, China, etc. teaches us that this is not the case. It would however be interesting to learn whether moral panics concerning young Muslim men can also be found elsewhere and how these play out in non-Western as well as in contexts where Muslims are in the majority.
With its specific approach and its rich case studies, the volume should be beneficial not only for researchers who work on anti-Muslim racism and Islamophobia but also those studying media representations of Muslims and Islam in general. Furthermore, it provides inspiring analyses for studies on moral panics with non-Muslim ‘folk devils’. Beyond academia, this book is recommended especially to journalists, for whom it could provide an impulse to reflect their potential involvement in the production of moral panics.
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The collection of case studies presented in this volume is truly impressive, above all because they reveal similarities in local moral panics despite their different national, legal and historical contexts. However, several ‘Western’ countries are chosen to represent the globe in this particular understanding of global Islamophobia. But if Islamophobic moral panics were confined to Western nation states, could we then still call them global? How about anti-Muslim sentiments in other parts of the globe, in non-Western nation states with Muslim minorities in Asia, Africa or Latin America or even in Muslim majority countries? Can we assume that these tensions do occur only within the so-called West? An edited volume from 2010 with examples from Thailand, China, etc. teaches us that this is not the case. It would however be interesting to learn whether moral panics concerning young Muslim men can also be found elsewhere and how these play out in non-Western as well as in contexts where Muslims are in the majority.
With its specific approach and its rich case studies, the volume should be beneficial not only for researchers who work on anti-Muslim racism and Islamophobia but also those studying media representations of Muslims and Islam in general. Furthermore, it provides inspiring analyses for studies on moral panics with non-Muslim ‘folk devils’. Beyond academia, this book is recommended especially to journalists, for whom it could provide an impulse to reflect their potential involvement in the production of moral panics.
